Skispringen : Emanzipation in der Luft

Die Skispringerinnen sammeln bei der WM in Oslo Argumente für eine Teilnahme an Olympia 2014. Im Juli wird das Komitee über die Aufnahme ins Programm entscheiden.

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Fliegende Frau. Die deutsche Skispringerin Ulrike Gräßler zählt bei der WM in Oslo zu den Favoritinnen. Foto: dpa
Fliegende Frau. Die deutsche Skispringerin Ulrike Gräßler zählt bei der WM in Oslo zu den Favoritinnen. Foto: dpaFoto: dpa

Die Premiere des Frauen-Skispringens auf der WM-Bühne vor zwei Jahren ist relativ schiefgelaufen. Weil eine 12 Jahre alte und eine 14 Jahre alte tschechische Schülerin in Liberec im Training gestürzt waren, zweifelten viele Beobachter am sportlichen Wert dieser jungen Sportart. Zumal die Jüngere der beiden nur einen peinlichen Hüpfer auf 33 Meter zustande gebracht hatte. Am Freitag soll sich das geändert haben.

Bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Oslo soll das Frauen-Skispringen von der Normalschanze (14.45 Uhr, live im ZDF und bei Eurosport) beweisen, dass diese Disziplin in den letzten Jahren eine unübersehbare Aufwärtsentwicklung genommen hat. Waren vor zwei Jahren noch 39 Starterinnen aus 13 Nationen von der Schanze gesprungen, sind es jetzt in Oslo 43 aus 15 Nationen. „Wichtiger als diese Zahlen ist, dass das sportliche Niveau ganz klar besser geworden ist“, sagt Horst Hüttel, Sportlicher Leiter der Abteilung Skisprung im Deutschen Skiverband (DSV). Inzwischen betreiben auch die Sportlerinnen aus Japan, China, Slowenien, Italien, Norwegen das Frauen-Skispringen ernsthaft.

Selbstständige Frauenwettbewerbe gibt es erst seit 1998. Zurzeit springen die Frauen im „Ladies-Continental-Cup“, ab dem nächsten Jahr soll es einen Weltcup für sie geben. Wie bei den Männern sollen dann auch Preisgelder ausgeschüttet werden. Und 2014 steht nach Lage der Dinge die olympische Premiere in Sotschi bevor. Zwar fällt die Entscheidung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) erst am 5. Juli, aber nur wenige zweifeln daran, dass die Aufnahme ins Programm gelingt.

2010 in Vancouver hatten die Skispringerinnen zusehen müssen. Der Versuch von 15 Athletinnen, sich über Kanadas Zivilgerichte einzuklagen, scheiterte. Die Richter sprachen dem Ski-Weltverband Fis die Hoheit zu, und dieser sagte Nein. Begründung: Voraussetzung seien die Teilnahme an zwei vorausgegangenen Weltmeisterschaften und größere Verbreitung. Diese Bedingungen werden ab Freitag erfüllt sein.

Die Popularität der fliegenden Frauen wächst, wenngleich keinerlei Anlass zu Euphorie bestehe, sagt Horst Hüttel. „Wir sind mit dem Frauen-Skisprung vielleicht auf der zweiten oder dritten Stufe von zehn möglichen“, sagt der Sportliche Leiter des DSV. Die 27,8-Prozent-Einschaltquote von Liberec 2009 sei ein positives Signal gewesen. „Es war die höchste Quote in Deutschland während der ganzen WM“, sagt Hüttel, gibt aber auch zu: „Am Freitagvormittag war das auch nicht so schwer.“

Noch sei nicht klar, ob ARD und ZDF den Frauen-Weltcup im nächsten Jahr übertragen werden. „Aber Eurosport hat sich schon mal bereit erklärt, die Hälfte der Springen live auf den Sender zu bringen, und das ist doch eine Ansage“, findet Hüttel.

Der Deutsche Skiverband glaubt, die Zeichen der Zeit verstanden zu haben. „Es gibt international keinen anderen Verband, der den Frauen-Skisprung ähnlich fördert wie der DSV“, sagt Hüttel. Die 23 Jahre alte Ulrike Gräßler, die eine Sportstelle bei der Bundespolizei besetzt und zu den Favoritinnen zählt, sagt: „Ich bin oft belächelt worden, das hat viel Kraft gekostet.“ Sie habe immer davon geträumt, bei Olympia zu starten, dachte aber, dass das nur bei den Jungs geht. Nun stehen ihre Chancen gut. Doch nach der schlechten Erfahrung von Vancouver sagt sie: „Ich glaube nichts mehr, solange ich es nicht schwarz auf weiß gelesen habe.“

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