Sport : Skispringen: Ferienflieger

Alle waren sie da - die Japaner, die Österreicher, die Finnen und natürlich auch die deutschen Springer. Doch als am Ende das Protokoll gedruckt wurde, da zeigte sich alles wie gewohnt in der Skisprung-Welt: Beim ersten Sommer-Duell wurde der von Magenkrämpfen geschwächte Martin Schmitt bei 20 Grad und inmitten grüner Wiesen am Sonnabend nur von seinem Erzrivalen Adam Malysz geschlagen. Der kleine Pole gewann vor 20 000 begeisterten Zuschauern beim Sommer-Grand-Prix in Hinterzarten mit 4,5 Punkten Vorsprung auf den viermaligen Weltmeister. Die Revanche der beiden Überflieger auf der mit bewässerten Kunstoffmatten belegten Schanze im Schwarzwald findet am Sonntag (13 Uhr/ARD und Eurosport live) an gleicher Stelle statt.

"Ich musste mich heute ziemlich durchkämpfen, weil ich in der Nacht vorher Magenkrämpfe und Kopfweh hatte. Es geht langsam wieder aufwärts", erklärte der trotz strahlenden Sonnenscheins leichenblasse Schwarzwälder Schmitt. Nachdem der "deutsche Patient" am Vortag wegen seiner Gesundheitsprobleme noch auf das erste Training verzichtet hatte, erhielt der 23-Jährige diesmal 268,0 Punkte für Flüge auf 104,5 und 103,5 Meter. Gesamtweltcupsieger Adam Malysz kassierte für Sprünge auf 106 und 103,5 Meter sowie 272,5 Punkte die Siegprämie von 11 000 Mark. Rang drei ging an den Österreicher Stefan Horngacher (259,5 Punkte/102,5+104,5 Meter).

"Ob nun Schnee oder Sonne: Immer die gleichen Verdächtigen sind vorn. Aber im Sommer ist das oft ein Glücksfall, ob man in Form ist. Bei mir war das zuletzt nicht der Fall, aber diesmal stimmt mein Trainingszustand. Besonders der zweite Sprung war ganz gut", so der mit 8500 Mark für den zweiten Rang belohnte Schmitt. Malysz hatte bei seinen Flügen ebenfalls "ein paar Fehler" gesehen: "Mir macht meine neue Popularität in Polen zu schaffen. Aber meine Form stimmt." Froh war auch der Bundestrainer Reinhard Heß: "Ich hatte nach dem Nacht-Debakel und der Krankheit von Martin nicht erwartet, dass er so weit vorn landet. Aber bei uns ist längst nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen."

Positiv überrascht war der Chefcoach von Altmeister Christof Duffner (Schönwald), der inmitten der Weltelite überraschend auf Rang sieben landete, und dem erst 17-Jährigen Stefan Hocke (Oberhof) auf Rang 20. Die Team-Weltmeister Sven Hannawald (Hinterzarten/34.), Alexander Herr (Rohrhardsberg/48.) und Michael Uhrmann (Rastbüchl/nicht qualifiziert) erlebten dagegen allesamt einen kollektiven Absturz. "Da muss ich jetzt durch. Ich habe erstmals richtig Krafttraining gemacht, bin total platt. Ich konzentriere mich auf den Winter", so Hannawald.

"Sven hat das Fliegen nicht verlernt", sah sich Bundestrainer Reinhard Heß veranlasst, Partei für den schwächelnden Hannawald nach einer intensiven Trainingsphase zu ergreifen. "Und Reserven gibt es natürlich immer zu erschließen."

Begeistert waren alle von der grandiosen Atmosphäre, für die zumeist jugendlichen Fans mit Plakaten wie "Wie grüßen unsere Grashüpfer" sorgten. Freunde des Skisports aus nah und fern sowie Urlauber sorgten für eine stimmungsvolle Kulisse. Weitere Stationen des Sommer-Grand-Prix, dem ersten Kräftemessen der Weltelite vor dem Olympiawinter, sind in der kommenden Woche Stams/Österreich und Courchevel/Frankreich sowie im September Sapporo und Hakuba in Japan.

Am Rande des Wettkampfes wurde auch über die Vorbereitungen für das erste Winter-Heimspiel von Martin Schmitt im Schwarzwald informiert. Die Organisatoren des Premieren-Weltcups am 1./2. Dezember haben die Hochfirstschanze für 7,2 Millionen Mark umgebaut. Bei den Wettbewerben auf der nun größten Naturschanze der Welt werden 46 000 Fans erwartet. Knapp 1000 ehrenamtliche Helfer sollen die mit 2,5 Millionen Mark teure Veranstaltung abwickeln. 2002 ist für einen weiteren Millionenbetrag die Errichtung einer Flutlichtanlage und einer Aufstiegshilfe geplant.

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