Skispringen : Landung auf dem Olymp

In souveräner Manier gewinnt Simon Ammann auch das Springen von der Großschanze und holt damit sein insgesamt viertes olympisches Gold. Schon in Salt Lake City vor acht Jahren hatte er beide Einzelwettbewerbe für sich entscheiden können.

Gregor Derichs[Whistler]
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Schon wieder gewonnen. Simon Ammann siegte auch von der Großschanze souverän und hat nun schon vier olympische Goldmedaillen auf...Foto: AFP

Erst ließ er seinen Körper durch die Luft fliegen, und als er wieder auf der Erde gelandet war, dann seine Faust als Zeichen des Sieges. So weit wie kein anderer war Simon Ammann hinuntergesegelt von der großen Schanze im Whistler Olympic Park. Im ersten Versuch waren es 144 Meter, im zweiten 138 Meter. Der 28 Jahre alte Schweizer besiegte die Konkurrenz überlegen.

Doch nicht nur das: Nachdem er schon vor acht Jahren in Salt Lake City zwei Goldmedaillen gewonnen hatte und zum Auftakt der Spiele von Vancouver auch von der Normalschanze am weitesten geflogen war, ist Ammann nun der erfolgreichste Schweizer Wintersportler und der beste Skispringer der olymoischen Geschichte. Er ist am Samstag am dreimaligen Olympiasieger Matti Nykänen aus Finnland vorbeigeflogen.

Zu seinem Sieg machte Ammann – ein Lausbubengesicht. „Ich war so nervös da oben. Das ist alles sehr nervenaufreibend“, sagte er. Doch Ammann weiß genau, was in ihm steckt: „Ich hatte wieder diese magische Kraft, um hier weit zu springen und das ist unglaublich.“ Die Plätze zwei und drei gingen wie zum Olympia-Auftakt wieder an den Polen Adam Malysz und den Österreicher Gregor Schlierenzauer. Als bester Deutscher landete Michael Neumayer auf Rang sechs.

Gewaltiger Satz im ersten Durchgang

Mit dem gewaltigen Satz, mit dem Ammann den zweitplatzierten Polen Malysz um sieben Meter und den Finnen Matti Hautamaeki sogar um zehn Meter im ersten Sprung distanzierte, legte er den Grundstein für den Triumph. Jedem der 12 000 Zuschauer war sofort klar, dass hier der Sieger talwärts sprang. Und auch in Durchgang zwei kam niemand an seine Weite heran. Schlierenzauer verbesserte sich als Zweitbester mit 136 Metern auf den Bronzeplatz, womit er eine kleine Blamage für Österreich verhinderte.

Die Österreicher, die am Tag zuvor nach dem Training einen Protest wegen einer angeblich unerlaubten Ski-Bindung gegen Ammann eingelegt und ihn damit zum psychischen Duell herausgefordert hatten, wurden geschlagen. Und auch die deutschen Springer kamen nicht vorne an. Neumayer immerhin äußerte sich zufrieden: „Ich fange mich langsam an einzuschießen. Es wird langsam besser.“ Andreas Wank kam auf Platz 28. Martin Schmitt und Michael Uhrmann lagen nach dem ersten Durchgang gemeinsam auf Rang 18. „Es war eigentlich ganz gut vom technischen Ablauf“, sagte Schmitt. „Der Wind aber hat sich nicht so gut angefühlt. Aber das hat man nicht in der Hand.“ Letztlich belegte der 32-Jährige, der im Training ganz vorne mitgemischt hatte, Rang 30. Uhrmann, der auf der Normalschanze nach einem zweiten Platz nach dem ersten Sprung am Ende mit Platz fünf eine Medaille knapp verfehlt hatte, haderte ebenfalls mit dem Wind, der bei Sonnenschein und ausgezeichneten Sichtbedingungen keine einheitlichen Bedingungen bot. „Der Wind wechselt. Es war nicht möglich, vorne reinzuspringen“, sagte der Badener, der 25. wurde.

Im Teamwettbewerb am Dienstag hoffen die deutschen Springer auf eine Medaille. Gold wie 2002 mit Schmitt dürfte kaum möglich sein. 1998 holte die Mannschaft Silber, 2006 ging sie leer aus. In Turin gewann Österreich vor Finnland und Norwegen. Fest steht, dass Ammann im letzten Skisprung-Wettbewerb leer ausgehen wird. Die Schweiz startet nicht.

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