Skispringen : Probleme eines Premiumprodukts

Auch wegen des sinkenden Interesses in Deutschland hat die Vierschanzentournee einen neuen Vermarkter.

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In neuem Licht. Nach dem Absprung von IMG, das 18 Jahre lang die Vierschanzentournee vermarktet hatte, wird nun die Agentur...X00446

Bischofshofen - Die Mitteilung war nüchtern gehalten. „Leider konnten wir uns nach monatelangen Verhandlungen nicht auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit einigen“, ließ sich IMG-Geschäftsführer Matthias Pietza zitieren. 18 Jahre lang hatte die Vermarktungsagentur die vier Springen von Oberstdorf bis Bischofshofen vermarktet. Nun wird erstmals die Sportrechteagentur Infront in den nächsten vier Jahren Sponsoren für die Vierschanzentournee suchen. „Das ist aus unserer Sicht eine gute Konstellation“, sagt Alfons Hörmann dem Tagesspiegel, „das Angebot von Infront deckt sich voll und ganz mit unseren Vorstellungen.“ Die Schweizer Agentur habe sich zum Beispiel beim Biathlon bewährt, erklärt der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), der gemeinsam mit dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) die Rechte an der Vierschanzentournee vergibt.

Laut Hörmann erhalten beide Verbände von Infront eine Summe, die von den künftigen Fernsehquoten der Vierschanzentournee abhängt. „Es ist aber eher eine Verbesserung zum bisherigen Vertrag“, sagt der DSV-Präsident. Bislang haben die Veranstalter in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen jeweils rund eine Million Euro erhalten. IMG wollte offenbar in diesem Segment nicht mitbieten.

Ginge es nach den Fernsehquoten in Österreich, müssten sich die Agenturen um die Marketingrechte reißen. 1,016 Millionen sahen das dritte Springen in Innsbruck, das ist eine Einschaltquote in Österreich von sensationellen 60 Prozent. „Aber wir haben sieben Millionen Einwohner und Deutschland hat 80 Millionen“, sagt Peter Schröcksnadel, der Präsident des ÖSV. „Die Wirtschaft in Deutschland ist stärker.“ Der Erlös der Vierschanzentournee hängt daher von den Quoten in Deutschland ab. „Die sind immer dann geringer, wenn die deutschen Athleten nicht ganz vorne sind“, sagt Schröcksnadel, „dann hast auch du weniger Erlöse.“ In dieser Saison springen die deutschen Athleten erneut hinterher.

Dennoch ist sich DSV-Präsident Alfons Hörmann sicher: „Die Tournee ist weiterhin ein Premiumprodukt.“ Ob sie das auch bleibt, wird sich im nächsten Jahr zeigen. Dann werden die Fernsehrechte neu vergeben. Benedikt Voigt

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