Skispringen : Thomas Morgenstern und das neue Glück

Nur einen Monat nach seinem schweren Trainingssturz steht Skispringer Thomas Morgenstern wieder im Rampenlicht - und erinnert wieder stark an den Thomas Morgenstern der besten und erfolgreichsten Jahre.

Christoph Geiler
Olympisch eingestellt. Thomas Morgenstern freut sich übers Dabeisein.
Olympisch eingestellt. Thomas Morgenstern freut sich übers Dabeisein.Foto: dpa

Thomas Morgenstern war auf einmal nicht mehr zu bremsen. Die Sprüche purzelten nur so aus ihm heraus. Was er vom Frauen-Skispringen halte, wurde er bei der internationalen Pressekonferenz gefragt. „2018 bei den Spielen in Südkorea werde ich Co-Trainer bei unseren Skispringerinnen“, antwortete Morgenstern und grinste.

Der Österreicher gefiel sich in der Rolle des Spaßvogels und genoss die überraschend schnelle Rückkehr ins sportliche Rampenlicht. Nach seinem schweren Sturz am Kulm vor einem Monat musste man sogar um seine Gesundheit fürchten, mit einer Schädelverletzung und einer Lungenquetschung lag er auf der Intensivstation. Doch den Sturz hat er offenbar schnell hinter sich gelassen, in der Qualifikation am Samstag sprang er auf den neunten Platz. Auch anderes scheint weit zurück zu liegen: Das Formtief der vergangenen Jahre. Die privaten Turbulenzen. Als hätte sein Auftritt Zweifel offen gelassen, lieferte der 27-Jährige gleich noch einen Beweis: „Ich bin im Moment gerade einfach sehr selbstbewusst.“

Diese Lockerheit ist man von Morgenstern gar nicht mehr gewohnt. Nach dem WM-Titel und dem Gesamtweltcupsieg 2011 war es mit ihm bergab gegangen, irgendwann war ihm auch sein Lächeln abhanden gekommen. Der Thomas Morgenstern von Sotschi 2014 erinnert jetzt wieder stark an den Thomas Morgenstern der besten und erfolgreichsten Jahre. So gelöst, wie er sich vor dem Auftaktspringen auf der Normalschanze (18.30 Uhr, live im ZDF) präsentiert. Nach seinen Stürzen in Titisee-Neustadt und am Kulm verspürt er eine ungeheure Dankbarkeit und Freude, dass er überhaupt bei Olympia sein kann. Ihm sei bewusst geworden, wie viel Glück er gehabt habe. „Es war ein wunderschöner emotionaler Moment, als ich im Krankenhaus meiner Mutter in die Augen geschaut habe. Diesen Blick werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“

Nach all dem, was Morgenstern durchgemacht hat, hat der 27-Jährige jetzt von allen Skispringern vermutlich den besten Zugang zu Olympia. „Klar hätte ich mich anders vorbereitet, als zwei Wochen im Krankenhaus zu liegen und zu schauen, dass ich irgendwie wieder gerade gehen kann und meinen Kopf bewegen kann“, sagt Morgenstern, „andererseits muss ich auch nicht auf Biegen und Brechen springen. Ich kann es laufen lassen.“

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