Sport : Skispringen: Triumph eines Biochemikers

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Vor zwei Jahren kam ein Mann an die Universität Krakau, der unbedingt Jerzy Zoladz sprechen wollte. Es war der polnische Skisprung-Trainer Apoloniusz Tajner, der den Professor für Physiologie und Biochemie als Berater in seinen Trainerstab aufnehmen wollte. Zoladz antwortete: "Für so etwas habe ich keine Zeit." Doch der polnische Skiverband ließ nicht locker und schickte so oft einen Abgesandten zu ihm, bis der Wissenschaftler einlenkte. "Ich habe gemerkt, dass sie es ernst meinten."

Das war der Anfang seiner Arbeit mit Adam Malysz, die mit dessen rekordträchtigem Sieg bei der 49. Vierschanzentournee einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Der Pole gewann mit 1045,9 Punkten, der höchsten Punktzahl, die je in diesem Wettbewerb erreicht wurde, und er besaß den größten Vorsprung. Das Erfolgsgeheimnis seiner spektakulären Weitenjagd dürfte die Zusammenarbeit mit Zoladz und Jan Bechlarz, einem Psychologen von der Universität Krakau, bilden. "Erst mussten wir analysieren, was falsch läuft", berichtet Zoladz, "dann haben wir das Programm um 180 Prozent gedreht."

Einzelheiten führt der Wissenschaftlter nicht aus. Allerdings lobt er die Zusammenarbeit mit dem Trainer. "Wir mussten ungewöhnliche Maßnahmen treffen, doch Tajner war für solche Dinge sehr aufgeschlossen." Sein Programm beinhaltet alle Aspekte des Trainings: Kraft, Schnellkraft, Technik, mentale Verfassung, Schlafen, Essen. "Mit Adam zu arbeiten, ist leicht", sagt Zoladz, "er raucht und trinkt nicht."

Bundestrainer Reinhard Heß äußerte sich skeptisch, ob die wissenschaftliche Begleitung das Erfolgsgeheimnis der Polen sei. "Ich sehe nur Adam Malysz, ich sehe nicht den Rest der polnischen Mannschaft." Zoladz prophezeit allerdings, dass die übrigen Polen in Zukunft auch besser springen werden. "Malysz hat nur das größte Talent." Obwohl der Professor keinen Vertrag mit seinem Verband hat, dürften Abwerbungsversuche durch andere Länder keinen Erfolg haben. Der Pole sagt: "Ich habe zwar keine rechtliche Verpflichtung, aber eine moralische."

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