Skispringen : Uhrmann gibt sich kämpferisch

Derzeit kann er nur wenige Meter auf Krücken gehen. Doch im nächsten Winter will Michael Uhrmann wieder große Sprünge von der Schanze machen.

Murnau - "Ich will wieder so dabei sein, wie ich aufgehört habe - auf dem Podium", sagte der 28-Jährige im oberbayerischen Murnau, wo er am Samstag in der Unfallklinik am rechten Fuß operiert worden war. Ein schwerer Sturz im Training bei der nordischen Ski-WM im japanischen Sapporo hatte Uhrmann und das gesamte deutsche Skisprung-Team aus allen Medaillenträumen gerissen.

Neben einem Bruch des Mittelfußes waren nach Angaben von Professor Volker Bühren, dem ärztlichen Leiter der Klinik, beim Sturz am vergangenen Mittwoch auch noch Gelenkbänder gerissen. Die genähten Bänder seien in sechs Wochen geheilt, in drei Monaten könnten die Schrauben aus dem Fuß entfernt werden. "Das ist der Zeitpunkt, an dem der Fuß auch wieder sportlich belastet werden kann", sagte Bühren, der mit sechs Monaten Heilungs- und Rehabilitationszeit rechnet. "Aber schon nach vier Monaten könnte der Fuß wieder einen Sprung aushalten", prognostizierte der Mediziner.

"Ich weiß, was auf mich zukommt"

Uhrmann muss derzeit noch Schmerzmittel nehmen, er wirkte auch am Montag noch gezeichnet vom Sturz, den Strapazen der Rückreise aus Japan und von der Operation. Trotzdem gab er sich kämpferisch: "Ich weiß, was auf mich zukommt. Es werden sicher die härtesten Monate meines Sportlerlebens. Aber ich werde alles dafür tun, dass ich wieder auf hohem Niveau springen kann."

Seine Enttäuschung über die versäumten Titelkämpfe verhehlte er nicht, zumal er mit seinem Weltcupsieg Ende Januar in Oberstdorf und anschließenden Top-Leistungen als einer der Favoriten nach Sapporo gereist war. "Eigentlich ist es unglaublich: Bei Olympia im vergangenen Jahr habe ich als Vierter die Medaille knapp verpasst. Und jetzt hätte wirklich alles gestimmt." Zugleich dachte er an die Mannschaftskollegen in Japan, die am Sonntag im Teamwettbewerb einen enttäuschenden achten Platz belegt hatten: "Nach all dem, was passiert ist, sollte man nicht den Stab über der Mannschaft brechen."

Kritik an WM-Organisatoren

Der Bundespolizist aus Breitenberg im Bayerischen Wald übte Kritik an den WM-Organisatoren. Bei seinem verhängnisvollen Trainingssprung sei der Aufsprungbereich nicht ausreichend vom Neuschnee befreit gewesen. "Vorwürfe bringen eigentlich nichts: Aber jeder an der Schanze hat gesehen, dass das nicht toll präpariert war." Bei der Landung im bremsenden Schnee habe er sich gefühlt, "als ob der Körper noch mit großer Geschwindigkeit weiter marschiert, aber die Skier stecken bleiben", schilderte der Team-Olympiasieger von 2002. Auch sei kein Krankenwagen vor Ort gewesen und er habe 45 Minuten auf den Transport ins Krankenhaus warten müssen: "Das ist ein Unding bei einer WM, es hätte ja auch noch etwas Schlimmeres passieren können."

Am Mittwoch steht die Entlassung aus der Unfallklinik bevor, für Dienstag haben sich Lebensgefährtin Heidi und Tochter Leni Viktoria zum Besuch angesagt. "Darauf freue ich mich riesig", sagte Uhrmann. (Von Charlotte Thomas, dpa)

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