Skispringen : Uhrmann sehnt sich nach Hause

WM-Pechvogel Michael Uhrmann wird am Freitag nach Hause fliegen und soll gleich nach seiner Ankunft in Deutschland operiert werden.

Sapporo - Nach der schmerzhaftesten Stunde seiner Karriere und einer schlaflosen Nacht im Prince-Hotel von Sapporo wirkte WM-Pechvogel Michael Uhrmann am Boden zerstört, doch an ein Karriere-Ende denkt der 28-Jährige trotz der verpassten Medaillenchance bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften nicht. "Er gibt nicht auf. Ich rechne in der nächsten Saison fest mit ihm. Den Sturz wird er aus seinem Kopf streichen, und die Verletzung verheilt", sagte der vom Missgeschick seines Vorzeigespringers sichtlich gezeichnete Bundestrainer Peter Rohwein.

Während sich Uhrmanns Teamkollegen am Donnerstag um die schnelle Rückkehr zur Normalität bemühten, sehnte der unter höllischen Schmerzen leidende Bayer den für Freitagmorgen gebuchten Heimflug herbei. "Ich bin wegen der vielen Tabletten schon im Delirium. Ich will so schnell wie möglich operiert und wieder gesund werden", berichtete Uhrmann, der die ganze Nacht mit Lymphdrainagen behandelt wurde. Die Schwere der Verletzung hatte der Olympia-Vierte sofort nach der Landung erfasst. "Ich bin im Schuh nach oben gerutscht. Der Fuß war schon durch, als ich gefallen bin", berichtete Uhrmann.

"Es hätte noch schlimmer ausgehen können"

Trost spendeten zunächst Bilder seiner Frau und seiner Tochter, die er sich auf dem Laptop anschaute. Den Sturz will er sich dagegen nicht ansehen. "Es hätte noch schlimmer ausgehen können, ich bin glimpflich davongekommen", sagte Uhrmann. Er hatte ein ähnliches Erlebnis 1996 verarbeiten müssen, als er als frisch gebackener Junioren-Weltmeister schwer stürzte. "Ich war damals beim Psychologen, habe es aber drei Jahre lang nicht geschafft, vernünftig zu springen", hatte Uhrmann drei Wochen vor der WM verraten. "Ein Sturz ist immer schlimm, aber dieser ist besonders tragisch", sagte er am Donnerstag.

Am Freitagmorgen wird sich der Bayer auf die Heimreise nach München begeben und von dort mit einem Helikopter direkt in die auf komplizierte Fälle spezialisierte Unfallklinik in Murnau gebracht. Bereits am Abend soll Uhrmanns gebrochener Mittelfuß operiert werden. "Ich werde die WM vor dem Fernseher verfolgen und den Jungs die Daumen drücken, vor allem im Team-Wettbewerb", sagte Uhrmann.

Martin Schmitt: "Die Chancen gehen gegen Null"

Dessen Mannschaftskollegen haben den Traum von einer Medaille allerdings begraben. "Es sieht nicht gut aus, denn sein Ausfall ist nicht zu kompensieren. Er war unser stärkster Mann. Die Chancen gehen gegen Null", redete Martin Schmitt Klartext. Auch der Bundestrainer weiß, was die Stunde geschlagen hat. "Wenn die größte Stütze ausfällt, verändert sich natürlich die Zielsetzung. Wir müssen das jetzt erst einmal verarbeiten", sagte Rohwein.

Schmitt & Co. hatten sich am Abend rührend um den niedergeschlagenen Pechvogel gekümmert. "Wir haben alle bei ihm im Zimmer vorbeigeschaut und ihm Mut gemacht", erzählte Schmitt. Der 29 Jahre alte Routinier ist nun urplötzlich zum alleinigen Leitwolf im Team avanciert. "Ich versuche, den Jungen zu helfen, halte aber keine großen Reden", sagte der viermalige Weltmeister.

Weil das Training am Donnerstag wegen einer zu weichen Anlaufspur und zu starken Windes abgesagt wurde, will Rohwein am Freitag kurzfristig über das Aufgebot für den Einzel-Wettkampf am Samstag und den Team-Wettbewerb am Sonntag entscheiden. Gesetzt sind Schmitt und Jörg Ritzerfeld. Stephan Hocke sowie die Youngster Kevin Horlacher und Tobias Bogner kämpfen um die zwei freien Plätze. (Von Eric Dobias, dpa)

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