Skispringen : Wieder auf Adrenalin

Janne Ahonen kehrt zum Skispringen zurück - ihm fehlt der Kick beim Flug von der Schanze.

Benedikt Voigt
262866_3_xio-fcmsimage-20090310230134-006000-49b6e33eb4e96.heprodimagesfotos85120090311ahonen2.jpg
Wieder in Vorlage. Janne Ahonen fliegt erneut von den Schanzen dieser Welt. -Foto: AFP

Berlin - Nachdem der Skispringer Dieter Thoma seine sportliche Karriere beendet hatte, bekam er bald Entzugserscheinungen. „Mir hat das Adrenalin gefehlt“, sagt der heutige Skisprung-Fernsehexperte, „ich habe etwas gebraucht, um runterzukommen.“ Seinen Sport konnte er nach acht Knieoperationen nicht mehr ausüben, also suchte er den Kick anderswo. „Ich habe Fallschirmspringen, Paragliding und Bungeespringen gemacht“, sagt Dieter Thoma. Der Skispringer Janne Ahonen, der im vergangenen Jahr seinen Rücktritt erklärt hatte, hat jetzt einen weiteren Weg gefunden, das Adrenalin wiederzubekommen: Er kehrt auf die Schanzen dieser Welt zurück.

„Das ist der letzte Zeitpunkt, um so etwas noch einmal zu machen“, sagt der Finne über seinen Rücktritt vom Rücktritt. Und es ist ein guter Zeitpunkt, denn in der nächsten Saison werden wieder olympische Medaillen vergeben. Womit Janne Ahonen noch eine Chance erhält, eine für seine Verhältnisse magere Bilanz aufzubessern. Dem 31 Jahre alten Skispringer, der insgesamt 19 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gewonnen hat, fehlt eine olympische Einzelmedaille. „Das wurmt ihn“, sagt Dieter Thoma.

Janne Ahonen hatte im vergangenen Jahr den Spaß am Skispringen verloren und war unter Tränen zurückgetreten. Er versuchte sich als Händler von Skiutensilien. Nun hat er die Motivation wiedergefunden. „Ich habe mich in diesem Winter oft gefragt, welche Platzierung ich wohl erreicht hätte“, sagt er. Auch dass die Finnen von der Weltmeisterschaft in Liberec ohne Medaillen nach Hause fahren mussten, dürfte ihn anspornen. Janne Ahonen hat in seiner Karriere fünf WM-Titel gesammelt.

„Ich bin zuversichtlich, dass ich in bester Verfassung zurückkehre“, sagt Janne Ahonen, „ich habe einen Körper wie Robin Hood.“ Dieter Thoma ist skeptischer. „Für das Skispringen ist es gigantisch, dass er wieder da ist“, sagt der Skisprung-Experte, „aber man muss sehen, wie er körperlich die Pause überstanden hat.“ Das Fluggefühl dürfte Janne Ahonen nicht verloren haben. „Das ist wie Fahrradfahren“, sagt Dieter Thoma, „wenn du einmal in der Spur bist, kehrt alles zurück.“ Wie um Ahonen zu ermutigen, bewies der Japaner Takanobu Okabe am Dienstag in Kuopio, dass man auch als 38 Jahre alter Springer im Weltcup siegen kann. Allerdings will sich der Finne nicht mehr allen Strapazen aussetzen. Er will vor allem bei der Vierschanzentournee, der Skiflug-WM und den Olympischen Winterspielen springen.

Dieter Thoma sieht noch einen Grund für die Rückkehr. „Gregor Schlierenzauer hat mit seinen Siegen in dieser Saison 450 000 Schweizer Franken verdient“, sagt er. Werbeverträge noch gar nicht mitgerechnet. Möglich also, dass Janne Ahonen einen Adrenalinkick sucht, der auch noch sehr gut bezahlt wird.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben