Sport : Skispringen: Wieder ein paar Freunde verloren

Nichts und niemand konnte Martin Schmitt stoppen - weder der Nebel, noch anfängliche Materialprobleme oder ein defekter Sessellift brachten den Skisprung-Weltmeister aus der Ruhe. Mit 22 Punkten Vorsprung gewann der 22-Jährige am Freitagabend beim Saison-Auftakt in der finnischen Stadt Kuopio sein 22. Weltcup-Springen vor seinem Teamkollegen Sven Hannawald (Hinterzarten). Den Doppelsieg kommentierte Kotrainer Wolfgang Steiert so: "Das war nach dem ersten Durchgang schon frustrierend für die Konkurrenz."

Noch in der Qualifikation war Martin Schmitt nach einem verpatzten Satz und dem 51. Platz wütend aus dem Zielraum gestapft. "Ich hatte große Probleme und wusste nicht, was falsch war. Die Verunsicherung war sehr groß. So eine schwierige Situation hatte ich noch nie erlebt", erzählte der Schwarzwälder. 24 Stunden später zeigte er nach dem weitesten Probesatz bereits ein zufriedenes Lächeln. Nach dem ersten Durchgang, als der Springer vom SC Furtwangen mit 128 m die Konkurrenz um acht Meter deklassierte hatte, war er seiner besten Laune sehr nahe gekommen. "Ich saß auf dem Absprungbalken, sah an mir herunter und dachte: Du trägst das Gelbe Trikot, so schlecht kannst du auch nicht sein", sagte Martin Schmitt und gab damit einen Einblick in sein kurz gestörtes Seelenleben.

Der Grund für den Stimmungswandel war ein "Pokerspiel mit dem Material", wie es Kotrainer Steiert formulierte. Ein zu enger Anzug, der sich negativ auf den Übergang vom Absprung zur Flugphase auswirkte, hatte Schmitt solches Kopfzerbrechen bereitet, dass die Trainer Heß, Steiert und er neues Material auswählten, mit dem er noch nie auf einer Großschanze gesprungen war. Die Notlösung geriet zum Volltreffer: "Ich habe mich selbst gar nicht unter Druck gesetzt, wollte nur gut springen und war den ganzen Tag relaxt."

Selbst ein knapp zehnminütiger Zwangsaufenthalt in einem defekten Sessellift nach Beginn des zweiten Durchgangs brachte ihn nicht aus der Ruhe. "Das war schon eine kuriose Situation, aber letztendlich hat es mich nicht großartig gestört", sagte Schmitt, der nicht so leicht aus der Ruhe bringen ist.

Damit unterscheidet er sich vom anderen deutschen Spitzenspringer Sven Hannawald. Der Skiflug-Weltmeister, der in den vergangenen Jahren zu Beginn des Weltcups immer hinterher gesprungen war, setzte sich erneut unter Druck. "Ein absoluter Traum ist für mich in Erfüllung gegangen", strahlte der 26-Jährige deshalb, "das war enorm wichtig für mich. Ich grüble immer zu sehr, wenn es nicht läuft. Jetzt kann ich lachend ins Bett gehen, ohne zu grübeln."

Seine Gedanken machte sich auch Kotrainer Steiert. Der hatte noch in der vergangenen Woche festgestellt, Trainer und Athleten des Deutschen Ski-Verbandes hätten im Springer-Lager nicht mehr all zu viele Freunde, weil sie in jüngster Vergangenheit zu erfolgreich gewesen seien. Auf die Frage, wie es denn nun nach diesem neuerlichen Auftrumpfen mit den sozialen Kontakten stehe, antworte Steiert trocken: "Jetzt haben wir gar keine Freunde mehr."

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