Sport : Skispringer Herr kritisiert Bundestrainer

Benedikt Voigt

Pragelato - Am Freitag um kurz nach 17 Uhr ist es im Container der deutschen Skispringer etwas lauter zugegangen. „Das hat jede Nation mitgekriegt“, sagte Michael Neumayer, der im Container saß, die Szene aber nicht weiter beschreiben will. Irgendwann kam Alexander Herr heraus und warf wütend die Türe hinter sich zu. Er hätte gleich in das Auto des Deutschen Skiverbandes (DSV) steigen können, das ihn in sein Quartier in Pragelato brachte. Stattdessen gab der deutsche Skispringer ein Fernsehinterview, das die Olympischen Spiele für ihn schon vor dem Mannschaftsspringen am Montag beenden könnte. Und vielleicht sogar seine Zukunft bei den deutschen Skispringern.

„Das ist eine Lachnummer, was die Trainer hier abliefern“, hatte Herr gesagt, „das sagt alles über die Kompetenz des Bundestrainers.“ Peter Rohwein hatte ihn nicht für die Qualifikation für das heutige Springen auf der Großen Schanze (18 Uhr, live im ZDF) nominiert. Nach Herrs Probesprung auf 108,5 Meter hatte sich der Bundestrainer für Martin Schmitt entschieden, der im Probedurchgang auf 121,5 Meter geflogen war. „Ich kann das nicht nachvollziehen“, sagte Herr, „ich war im Training in jedem Sprung weiter.“ In den drei Trainingssprüngen zuvor hatte er aber einen Anzug benutzt, der im Wettkampf nicht getragen werden darf. Während der Saison war Herr allerdings besser als der lange enttäuschende Schmitt. Rudi Tusch, der Sportdirektor Nordisch des DSV, wollte gestern Abend mit Vizepräsidentin Sabine Reuß und Sportdirektor Thomas Pfüller über das weitere Vorgehen beraten. Rohwein wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern.

Martin Schmitt qualifizierte sich gestern Abend als 15. neben Michael Uhrmann, Michael Neumayer und Georg Späth für das heutige Springen. Den Angriff seines Zimmergenossen Herr nahm er gelassen: „Er ist alt genug, er muss wissen, was er sagt.“

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