Sport : Skisprung-Doppelweltmeister Martin Schmitt: "Alles wird dichter an der Spitze"

Mit dem Neujahrsspringen 2000 der Vierschanzen-Tou

Martin Schmitt (21), Skisprung-Doppelweltmeister aus Willingen, hat im März diese Jahres als zweiter Deutscher nach Jens Weißflog den Gesamtcup der Skispringer gewonnen. Er wolle jetzt nur noch schlafen, bekannte er nach dem Triummmph iin Planica. In Kürze beginnt nun die neue Saison.Mit einem ausgachlafenen Martin Schmitt? Das Interview führte Luutz Rauuschnick.

Mit dem Neujahrsspringen 2000 der Vierschanzen-Tournee in Garmisch-Partenkirchen will der Fernsehsender RTL Skispringen inszenieren wie Formel 1 oder Boxen. Verändert sich dadurch die Sportart?

Die Sportart wird vielleicht etwas anders dargestellt, mit mehr Vor- und Nachberichten. Aber letztlich sind es die selben Schanzen und die gleichen Sprünge. Es wird vielleicht ein bisschen mehr inszeniert, aber das machen ja auch andere Sender wie etwa die ARD bei der Tour de France.

Für RTL ist Skispringen Unterhaltung, es sollen neue, junge Zielgruppen erschlossen werden, Leute wie Verona Feldbusch oder Willi Bogner werden im Stadion aufgeboten, eine Popband soll eine eigene Skisprung-Hymne singen. Werden die Springer da nicht zu Statisten in einem Zirkus?

Für mich zählt als erstes meine Leistung. So lange mich das Drumherum dabei nicht einschränkt, habe ich nichts dagegen.

Der DSV schüttet drei Millionen Mark Prämien pro Jahr aus, dafür müssen sich Sportler und Angestellte RTL zur Verfügung halten. Ziemlich sicher wird sich das auf die Topathleten konzentrieren. Kann das zu Problemen in der Mannschaft führen?

Wir kriegen keine Grundsumme, momentan bekomme ich genau so viel wie ein Jökle oder einer aus dem B-Kader. Die Schere geht sicherlich auseinander, das ist für den einen oder anderen auch nicht so leicht. Aber es muss auch für die Ansporn sein, dass man sieht, man kann vielleicht eine Zeit lang vom Skispringen ganz gut leben.

Befürchten Sie keine Probleme in der Mannschaft?

Nein, bisher verstehen wir uns alle eigentlich immer noch ganz gut. Wir haben keine Probleme untereinander und es wird, glaube ich, auch in Zukunft keine geben.

Es gibt bereits Wetten, dass Sven Hannawald nach dem Gesamtsieg im Sommer-Grand-Prix auch im Winter stärker sein wird als Sie. Woraus ziehen Sie Ihre Zuversicht und welches Ziel haben Sie sich gesetzt?

Ich gehe nicht in die Saison rein und sage, dass ich besser sein will als der Sven. Ich will mein Optimum rausholen. Auch Ahonen, Funaki, Widhölzl oder Goldberger sind stark, die muss man erstmal besiegen.

Fürchten Sie nach dem sensationellen Winter 98/99 eine Durststrecke?

Ich sehe das realistisch und weiß, dass ich nächsten Winter keine zehn Weltcupspringen gewinnen werde wie im vergangenen Jahr, das war keine normale Saison. Dies Jahr wird alles sicher dichter an der Spitze.

Denkt man da zurück an Springer, die ein Jahr alles gewonnen haben und dann zwei, drei Winter nicht an der Spitze mitspringen konnten?

Ich schaue weniger auf andere, für mich ist wichtiger, dass ich gut springe. Dieses Jahr gibt es weder Stil- noch Regeländerungen, daher bin ich sehr zuversichtlich.

Im übertragenen Sinne: Könnten Sie von der "Gnade der späten Geburt" profitieren, mit 21 Jahren alt genug zu sein und viel Erfahrung zu haben?

Ich muss mich zumindest nicht mit dem Problem rumschlagen, dass ich noch fünf Zentimeter wachsen werde.

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