Skisprung-Weltcup : Die Drei von der Schanze

Die deutschen Skispringer sind in der Olympia-Saison erfolgversprechend aufgestellt. Vor der Vierschanzentournee in Oberstdorf besteht durch drei Springer die Aussicht auf einen deutschen Gesamtsieg.

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Vor dem guten Absprung. Andreas Wellinger kam beim Weltcup in Engelberg am Wochenende auf Platz zwei. Foto: AFP Foto: AFP
Vor dem guten Absprung. Andreas Wellinger kam beim Weltcup in Engelberg am Wochenende auf Platz zwei. Foto: AFPFoto: AFP

Die Laune bei Werner Schuster war gleich besser. Am Samstag noch hatte das beim Cheftrainer der deutschen Skispringer anders ausgesehen. „Das Ergebnis war sehr schlecht“, hatte der Österreicher gesagt. Zum ersten Mal in dieser Saison war keiner seiner Springer unter den besten zehn gelandet. Andreas Wank war auf Platz 13 der Beste. Schlimmer als das Resultat waren zwei Stürze. Andreas Wellinger fiel im Probedurchgang hin, Severin Freund verkantete seinen Ski in Durchgang eins. Aus, vorbei für diesen Tag in Engelberg. Hotel Central statt Titlisschanze. Damit war auch nicht möglich, was Schuster erhofft hatte: „Es war aus meiner Sicht für Severin angerichtet, die Weltcupführung zu übernehmen.“

Am Sonntag sah die Welt wieder anders aus. „Wir waren viel besser, es hat einiges besser funktioniert als gestern“, sagte Schuster. Und vor allem sind alle Springer stehen geblieben. Allen voran Andreas Wellinger. Der Schüler aus Ruhpolding konnte sein Vorjahresergebnis wiederholen. Wieder wurde er Zweiter, hinter dem Polen Kamil Stoch, der damit seine Führung im Gesamtweltcup ausgebaut hat. „Ein Wahnsinn“, sagte Wellinger, „die beiden Sprünge waren nicht perfekt, aber schon nahe dran.“

Andreas Wank schaffte als Zehnter endgültig alle Nominierungskriterien für die Olympischen Spiele in Sotschi, Severin Freund kam auf Platz 20. „Ich bin stolz auf die Mannschaft“, sagte Bundestrainer Schuster, „wir haben einen konstruktiven Umgang mit dem schlechten Ergebnis vom Samstag gefunden.“ Das gute Abschneiden im zweiten Springen von Engelberg war ein wichtiges Signal für den ersten Saisonhöhepunkt. Denn am 30. Dezember startet in Oberstdorf die Vierschanzentournee. Erstmals seit dem historischen Erfolg von Sven Hannawald, der bei der Ausgabe 2001/2002 alle vier Springen gewinnen konnte, besteht die Aussicht auf einen deutschen Gesamtsieg. Und das nicht nur durch Severin Freund. „An der Spitze haben wir ein Dreigestirn, das um Siege springen kann“, sagt Schuster. „Drei Spitzenspringer sind recht viel, mehr hat keine andere Nation.“ Neben Freund gehören zu diesem Trio Richard Freitag, der in Engelberg wegen einer Knochenhautreizung im linken Fuß geschont wurde, auch noch Andreas Wellinger, der Aufsteiger der vergangenen Saison.

Für den 18-jährigen Wellinger bringt diese Saison ganz neue Herausforderungen mit sich. Vor einem Jahr war er kometenhaft nach oben geschossen, hatte gleich bei seinem ersten Weltcupspringen in Kuusamo nach dem ersten Durchgang geführt. „Es ist eine große Herausforderung nach meinem ersten Jahr, in dem ich unter Druck stand, meine Leistungen zu stabilisieren“, sagt der Ruhpoldinger. Trainer Schuster kennt diese Situation. Und hat Nachsicht. „Er trainiert besser als er bei den Wettkämpfen ist, das ist neu für ihn“, sagt er. „Er muss geduldig bleiben, dann kann sich das bis zur Tournee ausgehen.“ Doch Geduld ist nicht unbedingt Wellingers große Stärke, im vergangenen Jahr habe er durch seinen Killerinstinkt bei den Wettkämpfen überzeugt. Sagt Schuster.

Diese Lernphase hat Severin Freund schon hinter sich gebracht. Fünf Weltcupsiege hat der 25-Jährige mittlerweile auf seinem Konto. Und ist damit die Führungsperson im deutschen Team. „Mir gefällt sehr gut, wie er springt und wie er arbeitet“, sagt Schuster.

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