Smog und Sport in Peking : "Es ist einfach nicht gesund hier"

Wie der berüchtigte gesundheitsgefährdende Smog der chinesischen Hauptstadt Peking die Turniere der Golf- und Tennisprofis beeinträchtigt.

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Vermummungsgebot. In Peking versucht sich Golfprofis wie Sandra Gal (l.) mit einer Atemschutzmasken zu schützen.
Vermummungsgebot. In Peking versucht sich Golfprofis wie Sandra Gal (l.) mit einer Atemschutzmasken zu schützen.Foto: AFP

Der schwedische Tennisprofi Robert Lindstedt ist zu Wochenbeginn beim Turnier in Schanghai etwas unruhig geworden. Der 36-Jährige hatte sich in seinem Blog (robertlindstedt.com) über die katastrophalen Luftbedingungen beim Turnier in Peking beschwert – und fand damit weltweite Beachtung. Nun bangt der schwedische Doppelspezialist, ob seine deutlichen Worte Folgen haben könnten: „Hoffentlich darf ich aus dem Land noch ausreisen.“

Eigentlich hat Robert Lindstedt nur beschrieben, was in den letzten Tagen in Peking ohnehin jeder sehen oder vielmehr nicht sehen konnte. „Die Luft ist ein Desaster“, stellte er fest. „Die Stadt zieht jedesmal ein paar Tage von deinem Leben ab, wenn man sie besucht und das atmet, was sie hier Luft nennen – es ist ein Witz, wie viel Smog es hier gibt.“ Tatsächlich ist die für ihre gesundheitsgefährdende Luft berüchtigte chinesische Hauptstadt am Wochenende von einer besonders intensiven Smogdecke heimgesucht worden.

Zahlreiche Flüge mussten abgesagt werden, Autobahnen wegen schlechter Sicht gesperrt werden. Die US-Botschaft gab am Sonntag eine Notfall-Warnung an ihre in Peking lebenden Staatsbürger heraus. „Bleiben Sie zu Hause und halten Sie alle Türen und Fenster geschlossen“, hieß es darin. Bei den aktuellen Luftverschmutzungswerten in Peking, die nach US-amerikanischen Richtlinien als „gesundheitsgefährdend“ galten, sollte „jeder jede Aktivität im Freien vermeiden“. Blöd nur, dass zur gleichen Zeit die Tennis- und Golfprofis in Peking ihre Finalspiele beziehungsweise Finalrunde absolvieren mussten. Im Freien natürlich.

„Schon nach ein paar Tagen fühle ich, dass es mir nicht allzu gut geht“, beschreibt der Tennisprofi Robert Lindstedt seine Pekinger Tage. Schon beim Aufstehen sei ihm schwindelig geworden. „Gestern konnte ich mich zwischen den Punkten nicht erholen, ich habe die gesamte Stunde lang schwer geatmet“, berichtet er, „wenn man am Abend seine Nase säubert, färbt sich das Taschentuch schwarz.“

In der olympischen Tennisarena trugen einige Zuschauer Atemmasken, um sich gegen den Smog zu schützen. Beim Turnier der Profigolferinnen (LPGA) trugen sogar einige der Spielerinnen diese Schutzmasken, darunter die Deutsche Sandra Gal. Allerdings taugte ihre Maske eher zur Virenbekämpfung, nicht aber um Feinstaubpartikel abzuhalten, deren aerodynamischer Durchmesser weniger als 2,5 Mikrogramm beträgt. Diese können besonders tief in die Lunge eindringen – und sind im Pekinger Smog besonders zahlreich vertreten.

Die Veranstalter der LPGA-Tour hatten den Start der Finalrunde um drei Stunden verschoben. „Wegen Nebels“, wie sie im Internet schrieben. Damit benutzte die Golforganisation den gleichen Euphemismus, mit dem die chinesischen Behörden lange Jahre das Ausmaß der Umweltverschmutzung in der chinesischen Hauptstadt beschönigt hatten. Ausfallen lassen wollten die Veranstalter die entscheidende Runde des Turniers, das von der Chinesin Shanshan Feng gewonnen wurde, nicht. Möglicherweise, weil sich die LPGA die Premiere auf dem wichtigen chinesischen Markt nicht verderben wollte. „An diesem Wochenende hat die Vereinigung der Profigolferinnen ihren Willen demonstriert, die Sicherheit der Spielerinnen zugunsten ihrer eigenen langfristigen finanziellen Gesundheit zu opfern“, kritisierte die Nachrichtenwebseite „bloomberg.com“.

Der prominente chinesische Sportjournalist Bai Yansong hatte sich bereits zu Wochenbeginn für die Absage von Sportveranstaltungen in Peking bei schlechter Luft ausgesprochen. „Ist es wirklich sinnvoll Sport zu treiben, wenn er die Gesundheit schädigt?“, schrieb er.

Schon vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking hatte es Sorgen um die Gesundheit der Athleten gegeben. Damals konnte die chinesische Regierung das Problem mit weitreichenden Maßnahmen wie monatelangen Schließungen von Kohlekraftwerken in den umliegenden Provinzen unter Kontrolle halten. Damals hatten es auch noch viele Chinesen als Beleidigung empfunden, als einige US-amerikanische Radsportler mit Atemmasken aus dem Flugzeug stiegen. Seitdem aber hat die Luftverschmutzung jährlich weiter zugenommen. Spätestens seit den als „Airpocalypse“ bekannt gewordenen katastrophalen Luftwerten vom Januar beschäftigen sich in China auch Öffentlichkeit und Regierung mit dem Problem.

Doch die Veranstalter haben auch ein bisschen Pech gehabt. Der Oktober ist eigentlich die beste Jahreszeit, um Peking zu besuchen. Die Herbstwinde blasen den Smog oftmals aus dem Halbkessel des mongolischen Plateaus, welches die Stadt und ihre 22 Millionen Einwohner umgibt. Nur nicht diesmal. „Es ist einfach nicht gesund hier“, schrieb der Tennisprofi Robert Lindstedt deshalb, „ich sollte wahrscheinlich im nächsten Jahr mal darüber nachdenken...“

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