Sport : SMS mit Folgen

Wie der ehemalige Herthaner Dinzey bei Unions heutigem Gegner Braunschweig landete

André Görke

Berlin. Michel Dinzey hatte sein Handy auf dem Tisch liegen gelassen, und als er dann auf die Toilette verschwand, wurde im Wohnzimmer seine Karriere zerstört. Dinzeys Kumpel hatte auf dem verlassenen Handy eine Nachricht hinterlassen. „Bei der nächsten Niederlage ist das Arschloch entlassen. Horst soll verrecken!“ stand da. Als Dinzey am nächsten Morgen auf dem Trainingsplatz von Hannover 96 erschien, empfing ihn Horst – Nachname: Ehrmanntraut, sein Trainer. Der hatte die Nachricht in der Nacht empfangen. Dinzey war entlassen.

„Ich war das nicht“, sagt Dinzey. „Ich schicke so eine Nachricht wohl kaum an einen Vorgesetzten.“ Dinzeys Kumpel bestätigte das vor dem Arbeitsgericht und entschuldigte sich. Aber: Das Vertrauen war weg. Hannover 96 einigte sich außergerichtlich mit ihm, Dinzey bekam die ausstehenden Gehälter überwiesen. Einen Job hatte er nicht mehr. Und einen Spieler wie ihn wollte in der Bundesliga auch niemand mehr.

Über ein Jahr ist die Affäre nun her, Dinzey hat einen Job gefunden, in der Zweiten Liga, bei Eintracht Braunschweig. Heute (15 Uhr) spielt er gegen den 1. FC Union. Braunschweig steht weit unten, auf einem Abstiegsplatz. Das passt zu Dinzeys Karriere. „Nichts ist so gelaufen, wie es hätte sein sollen“, sagt er. Dinzey hat früher für Hertha BSC gespielt, er erzielte im den Aufstieg sichernden Zweitligaspiel in Unterhaching das 2:0. Dinzey sagt: „Das, was Hertha heute ist – daran habe auch ich Anteil.“

Nur wer weiß das schon? In Deutschland war sein Ruf nach der Handy-Aktion beschädigt, er musste weg. Zum Glück rief Kjetil Rekdal an. Mit ihm hatte Dinzey bei Hertha gespielt. „Hast du Lust?“, fragte Rekdal, und Dinzey sagte zu. Von da an kickte er vier Monate in Norwegen, bei Valerenga Oslo. Rekdal ist dort Trainer, Abwehrchef war damals Steffen Karl. Auch er hatte mit Dinzey bei Hertha gespielt. Nach Ende der Rückrunde musste Dinzey aus dem Hotel auschecken. Valerenga war zwar in die erste norwegische Liga aufgestiegen, bekam aber finanzielle Probleme.

Braunschweig, das „ist meine zweite Karriere“, sagt er. Nichts soll mehr an die schlimmen Tage in Hannover erinnern. Nicht einmal der Name. Auf seinem Eintracht-Trikot steht der Schriftzug „Mazingu“. Das ist der Name seines Vaters. Als der im Februar nach einem Schlaganfall verstarb, übernahm Michel Dinzey dessen Namen, „Michel Mazingu-Dinzey, aber wenn jemand Dinzey sagt, ist das auch okay.“

Dinzey ist in Berlin-Schöneberg geboren. Er besitzt aber den Pass der Demokratischen Republik Kongo, dem ehemaligen Zaire. In Afrika ist er ein Held. Sogar einen Job haben sie ihm schon angeboten. Dinzey soll Trainer der Frauenfußball-Nationalelf werden.

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