Snookerturnier in Berlin : Woodstock muss bleiben

Die German Masters im Tempodrom sind das einzige Snookerturnier von Weltrang in Deutschland. Doch nur wenn die Zuschauer auch künftig Stars für ihr Geld bekommen, hat es eine Zukunft. Ein Kommentar

von
Sieger Ding Junhui.
Sieger Ding Junhui.Foto: Imago

Als „Woodstock des Snookers“ hat Weltverbandschef Barry Hearn die German Masters im Tempodrom gerade erst wieder bezeichnet. Tatsächlich hat sich das einzige Snookerturnier von Weltrang in Deutschland längst zu einer Institution entwickelt. Seit vier Jahren findet die Veranstaltung nun schon im Tempodrom statt, das für viele Profis zu den schönsten Spielstätten auf der Tour gehört. Beim Finale am Sonntag, das der Chinese Ding Junhui gegen Judd Trump aus England mit 9:5 gewann, war die Arena mit rund 2500 Zuschauern wieder gut gefüllt, insgesamt wurden für die fünf Turniertage 13 500 Karten verkauft. Und das bei durchaus gesalzenen Preisen.

Dabei ist die Zukunft der German Masters nicht gesichert. Man sei zuversichtlich, dass es auch 2015 wieder ein Turnier in Berlin gebe, heißt es beim Weltverband. Der Veranstalter in Berlin strebt einen neuen Dreijahresvertrag an. Knackpunkt ist derzeit noch der Austragungstermin.

Natürlich spielen auch die Kosten eine Rolle. Wenn sich ein Turnier wie die German Masters fast nur über Ticketeinnahmen finanziert, muss genau gerechnet werden. Einen Titelsponsor gab es 2014 nicht, das Preisgeld aber ist auf mittlerweile 335 000 Euro angewachsen. Dabei macht es der neue Spielmodus für die Stars immer schwieriger, weit zu kommen. Weltmeister und Fanliebling Ronnie O’Sullivan konnte sich gar nicht erst qualifizieren, einige andere Topspieler scheiterten früh. Womöglich schauen die Besucher künftig genauer hin, wofür sie ihr Geld ausgeben – oder entscheiden sich gleich für die Show.

Am 30. Mai findet – wieder im Tempodrom – der sogenannte World Speed Cup statt. Sportlich hat diese Showveranstaltung keinen Wert, aber dafür sind die Stars garantiert dabei. Wenn es ganz schlecht läuft, könnte so die Zukunft des Snookers in Deutschland aussehen. Das allerdings hätte dann mehr etwas vom Musikantenstadl als von Woodstock.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben