Sport : So fährt kein Versager

Helmut Schümann

freut sich über Jan Ullrichs stolze Leistung Jan Ullrich ist gestern beim Zeitfah-

ren zeitweise 53 Stundenkilometer schnell gefahren. 53! Das schafft mancher nicht mit dem Motorroller. Er macht es mit Muskelkraft. Ist man damit Versager, gefallener Held, ist ohne Biss und meistens lustlos? Es herrscht ja hierzulande das große Beleidigtsein, wenn Ullrich nicht die Tour de France gewinnt. Und es herrscht kaum Genugtuung, wenn er bis zuletzt bei der Deutschlandtour um den Sieg kämpft. Ist ja nur die Deutschlandtour, und ist ja ohne Lance Armstrong. Dabei ist es schon eine gewaltige Leistung, nur ein paar Wochen nach der Tortur der Tour und dem dritten Platz wieder vorne dabei zu sein.

Es ist nur leider in Deutschland inzwischen so, dass wir, haben wir endlich mal wieder Sieger, glauben, sie müssten eben immer siegen. Tun sie aber nicht, nicht mal stellvertretend für unsere Niederlagen im Leben. Michael Schumacher nicht mehr und Jan Ullrich? Der hat einfach Pech im Leben gehabt. Pech, dass zu seiner großen Zeit einer da war, der eben besser war. Dergleichen kommt vor im Sport, das hat Günter Netzer erfahren, als er an Wolfgang Overath nicht vorbeikam, das hat eine Generation von Liberos erlebt, denen Franz Beckenbauer vortänzelte, das haben Slalomfahrer erlebt, denen Ingemar Stenmark davonwedelte undundund. Und nun hat Armstrong aufgehört und Platz gemacht für die nächste Generation. Ullrich gehört nun nicht mehr zur nächsten Generation. Zu der gehört Levi Leipheimer. Jan Ullrich bleibt das Bemühen und die Erkenntnis, dass Pech den Triumph verhindert hat – das Pech, zur falschen Zeit sehr gut gewesen zu sein.

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