Sport : So fremd zu Hause

Hansa Rostock verliert beim 0:2 gegen Bayern München zum fünften Mal in Folge im Ostseestadion

Kerstin Hebeler[Rostock]

Es war zehn Minuten vor Schluss, als sich die Fans im Ostseestadion zur La Ola erhoben. Es stand 0:0 im Spiel gegen Bayern München, und die Chancen standen gut, dass Hansa nach vier Heimniederlagen in Folge zumindest einen Punkt holt. Doch die Welle hatte zu früh die Runde gemacht. In der 82. Minute brach sie jäh ab, als Willy Sagnol zur Führung für die Bayern traf. Drei Minuten später, nach Mehmet Scholls Tor zum Endstand von 2:0 für München, durften sich die Rostocker Fans endgültig wieder setzen. Mit der fünften Heimniederlage in Folge seit Saisonbeginn stellte Hansa einen neuen Negativrekord in der Bundesliga auf. Die Bayern dagegen halten mit dem Sieg Anschluss an die Tabellenspitze.

Dabei hätten die Rostocker einen Punkt durchaus verdient gehabt. Sie hatten sich vorgenommen, zu Hause so zu spielen wie auswärts, wo sie bislang ausschließlich punkteten: nämlich aus einer sicheren Defensive heraus auf Konter zu spielen. Wie schon beim Sieg in Bochum baute der Rostocker Trainer Juri Schlünz seine Mannschaft um und vertraute unter anderem auf Denis Lapaczinski als Abwehrchef. Das war eine gute Wahl. Der FC Bayern war zwar überlegen, aber wirkliche Chancen konnten die Münchner nicht herausspielen. Rostock fand zudem mit der Zeit immer besser ins Spiel und wurde mutiger. Die größte Chance vor der Pause hatte Antonio Di Salvo, der vor dem Tor nur knapp an einer Flanke vorbei rutschte. „Die Fans haben uns nach vorne getrieben. Doch nach wie vor kriegen wir es nicht hin, zu Hause zu punkten“, sagte der Stürmer nach dem Spiel.

Aus dem Konzept kamen die Rostocker kurz, als David Rasmussen knapp zehn Minuten vor der Halbzeitpause nach einem Foul an Bastian Schweinsteiger die Rote Karte sah. „Ich fand das übertrieben. Das war mein erstes Foul, und es war irgendwo an der Mittellinie“, sagte Rasmussen nach dem Spiel.

Seine Mannschaftskollegen machten es dem Gegner in der Folge allerdings sogar noch schwerer. „Rostock hatte in der zweiten Halbzeit mehr vom Spiel“, sagte Bayerns Trainer Felix Magath. Vor allem Rade Prica, der bereits gegen Bochum den Siegtreffer erzielt hatte, verursachte Gefahr.

Erst durch die Einwechslung des lange verletzten Mehmet Scholl in der zweiten Halbzeit wurden die Bayern gefährlicher, doch die Wende für die Münchner kam erst in der 75. Minute – durch den Platzverweis des Münchner Abwehrspielers Kuffour. Der erneute zahlenmäßige Gleichstand brachte Rostock seltsamerweise aus dem Konzept. Bei einer Ecke konnte Sagnol völlig unbedrängt einköpfen, Scholl machte alles klar. „Aufgrund unserer starken Anfangs- und Schlussphase ist der Sieg aber nicht unverdient“, sagte Magath.

Trotz der fünften Heimniederlage gaben sich die Rostocker optimistisch. „Es ist ja nicht alle Tage so, dass Hansa gegen Bayern punktet“, sagte Schlünz. Und der Rostocker Torhüter Mathias Schober meinte: „Wir haben ordentlich gespielt. Die Leute haben gesehen, dass wir alles versucht haben.“ Künftig wäre es mit Blick auf die Tabelle aber nicht schlecht, wenn bei diesen Bemühungen zu Hause auch ein paar Punkte herauskommen würden.

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