Sport : So gut wie noch nie

Hertha BSC bleibt zum zwölften Mal in Folge ungeschlagen und besiegt St. Pauli durch ein spätes Tor 1:0.

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Blau-weiße Freude. Herthas Ben Sahar bejubelt seinen Siegtreffer kurz vor dem Abpfiff. Foto: Koch Foto: Matthias Koch
Blau-weiße Freude. Herthas Ben Sahar bejubelt seinen Siegtreffer kurz vor dem Abpfiff. Foto: KochFoto: Matthias Koch

Berlin - Jimmy Jump ist der vielleicht bekannteste Flitzer der Welt. Er hat schon so ziemlich jedes Hindernis und jede Sicherheitsschleuse überwunden. 2010 schaffte er es sogar beim WM-Finale aufs Feld und scheiterte nur knapp daran, dem goldenen Pokal ein Mützchen aufzusetzen. Insofern musste sich Hertha BSC fast geehrt fühlen, dass der Katalane gestern Abend dem Zweitligaspiel gegen den FC St. Pauli einen Besuch abstattete. Gleich nach dem Anpfiff flitzte er über den Rasen. Das Spiel lief zunächst weiter, und selbst nachdem die Ordner den ungebetenen Besuch wahrgenommen hatten, brauchten sie noch eine Weile, bis sie Jimmy Jump zu Boden rangen. Auch Herthas Fußballer benötigten lange, bis sie ihren Gegner zu Boden gerungen hatten. 84 Minuten mühten sie sich vergebens, dann köpfte der eingewechselte Ben Sahar eine Flanke von Peter Pekarik zur Führung ein. Die Berliner behaupteten mit dem 1:0 (0:0)-Sieg nicht nur Platz zwei, sondern stellten auch mit dem zwölften Spiel hintereinander ohne Niederlage einen neuen Klubrekord auf. „Es war nicht einfach für uns, St. Pauli hat defensiv sehr sicher gespielt“, sagte Trainer Jos Luhukay. „Ich bin froh, dass wir das erlösende Tor noch gemacht haben.“

Luhukay hatte annähernd dieselbe Elf aufgeboten wie beim 6:1-Sieg in Sandhausen; allein Linksverteidiger Fabian Holland kehrte anstelle von Felix Bastians in die Mannschaft zurück. Michael Frontzeck auf der anderen Seite musste erheblich mehr improvisieren: Er musste gleich vier Stammspieler ersetzen, doch das war seiner Mannschaft zunächst nicht anzumerken. Die Gäste standen gut organisiert, schalteten schnell um und kamen so nach fünf Minuten zur ersten Gelegenheit des Spiels. Der Kopfball von Fin Bartels bereitete Torhüter Thomas Kraft allerdings keine Mühe.

Hertha spielte entschlossen gegen den Ball, hatte aber, nicht zum ersten Mal in dieser Saison, Schwierigkeiten, offensiv echte Gefahr zu entwickeln. Bis Mitte der ersten Halbzeit dauerte es, ehe St. Paulis Torhüter Philipp Tschauner erstmals eingreifen musste. Marcel Ndjeng versuchte es aus 18 Metern einfach mal mit seinem schwächeren linken Fuß. Der Ball wurde noch so abgefälscht, dass Tschauner Mühe hatte, ihn an den Pfosten zu lenken.

Die Hamburger überließen den Gastgebern weitgehend die Initiative, ihr Spiel war auf schnelle Gegenstöße ausgelegt. Hertha besaß daher ein deutliches Übergewicht an Ballbesitz wurde aber nur punktuell gefährlich. Kurz vor der Pause besaß Adrian Ramos nach Flanken von Fabian Holland und Nico Schulz gleich zwei gute Kopfballchancen – Tschauner aber reagiert zweimal glänzend. Auf der anderen Seite versandeten die Konter der Gäste meist. Die beste Chance der ersten Halbzeit resultierte aus einem Freistoß: Kraft erwischte den Kopfball von Sebastian Schachten gerade noch.

Zu Beginn der zweiten Hälfte wirkte es fast so, als hätten beide Mannschaften je einen Spieler vom Feld genommen – so viel Platz war auf einmal auf beiden Seiten vorhanden. Hertha kam durch Schulz zu einer guten Konterchance, die jedoch ungenügend zu Ende gespielt wurde; kurz darauf lief Ramos seinem Gegenspieler davon und brachte aus recht spitzem Winkel sogar noch einen gefährlichen Abschluss zustande; Tschauner, der mit dem Fuß immer wieder Probleme offenbarte, konnte jedoch auch diesen Versuch parieren.

Der Druck der Berliner nahm in der zweiten Halbzeit immer mehr zu, Ecken und Freistöße häuften sich – und auch die Chancen für Hertha. „Aber der Torhüter war schwer zu bezwingen“, sagte Luhukay. Nach einer Stunde schien Tschauner endlich geschlagen, doch Akaki Gogia stoppte den Kopfball von Peter Niemeyer auf der Linie. Luhukay brachte mit Ben Sahar (für Peer Kluge) einen weiteren Offensivspieler. Die Gäste fanden kaum noch Luft zum Atmen, und Sahar machte die Hoffnung auf einen Punktgewinn schließlich zunichte. Kurz danach hatte Schachten noch die Chance zum Ausgleich, doch sein Kopfball endete irgendwo zwischen dem Pfosten und Pekarik. Pekarik verletzte sich später noch an der Schulter. „Unter dem Strich war Berlin die bessere Mannschaft“, sagte St. Paulis Trainer Frontzek, „aber es ist natürlich bitter, in den letzten Minuten den Treffer zu kriegen.“

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