Sport : So gut wie vorher

Die Pause hat Hertha wenig Neues gebracht – das muss nicht schlecht sein

Mathias Klappenbach

Berlin - In dieser Woche geht es nur noch um Feinheiten. Sechs Tage sind es noch bis zum ersten Bundesligaspiel in der Rückrunde, ein ernsthaftes Testspiel werden die Fußballer von Hertha BSC vor der Partie am kommenden Sonntag beim VfL Bochum nicht mehr bestreiten. Am Dienstagabend (19 Uhr) spielt Hertha noch beim Landesligisten FC Spandau 06, aber der entscheidende Teil der Vorbereitung ist gelaufen. „Wir werden ab jetzt die Trainingsumfänge reduzieren und vor allem noch an der Spritzigkeit arbeiten“, sagt Trainer Falko Götz. „In dieser Woche geht es vor allem um die Konzentration auf den Sonntag. Und um die geistige Frische der Spieler.“ Die Spannung will Götz auch durch Spaß im Training hoch halten. „Der Kopf muss frei für das Wesentliche sein.“ Die mäßigen Leistungen aus den drei Vorbereitungsspielen gegen Profiteams sollen keine große Rolle mehr spielen. Stress oder Unsicherheit ist bei Hertha deswegen nicht zu spüren. „Wir haben viel probiert. Vor allem die Ergebnisse darf man nicht überbewerten“, sagt Götz, der gestern den VfL Bochum in einem Testspiel beim MSV Duisburg beobachtete.

Die Berliner überzeugten auch beim 2:2 am Samstagabend beim niederländischen Ehrendivisionär Twente Enschede nicht, der zur Halbzeit eingewechselte Fredi Bobic erzielte kurz vor Schluss wenigstens noch den Ausgleich. Auch eine Woche vorher, beim 1:3 gegen den Zweitligisten Energie Cottbus, spielten die Berliner schwach. Allerdings stand in diesen Spielen auch nicht die Mannschaft auf dem Platz, die in der Vorrunde den Stamm bildete. In Enschede fehlten die angeschlagenen Gilberto und Marcelinho, mit denen Hertha zwei Tage zuvor den RSC Anderlecht 3:2 besiegt hatte.

Die Brasilianer waren in Berlin geblieben, um sich behandeln zu lassen. Ihr Einsatz in Bochum ist nicht gefährdet, die Mannschaft wird am Sonntag personell so auflaufen wie in der Vorrunde. Besonders aufgedrängt hat sich in der kurzen Vorbereitungszeit kein einzelner Spieler, der bislang zu den Reservisten zählte. „Ich will niemanden herausheben. Die ganze Mannschaft hat insgesamt sehr gut mitgezogen“, sagt Falko Götz, und es hört sich nicht so an, als ob sich der Trainer Sorgen macht, weil die Stammkräfte ihre Plätze sicher haben und deshalb zu viel Selbstzufriedenheit entstehen könnte.

Die geistige Frische der Spieler, die wegen ihrer Leistungen in der Vorrunde laut Götz einen „kleinen Bonus“ haben, wird also erst einmal nicht unter starkem Druck von Mannschaftskollegen leiden, die ins Team drängen. Wegen des Konföderationen-Pokals, der im Sommer in Deutschland stattfindet, startet die Bundesliga ungewöhnlich früh in die Rückrunde. So blieb den Spielern aus der zweiten Reihe sowieso keine Zeit, um sich in der Winterpause nachhaltig zu empfehlen. „Trotzdem leben wir stark von der internen Konkurrenz. Dieser Druck war auch schon in der Hinrunde da, und in den nächsten Monaten werden wir noch alle Spieler brauchen“, sagt Falko Götz. Vielleicht sogar noch mehr als vor der Winterpause. Hertha will vom sechsten Tabellenplatz aus die Uefa-Cup-Ränge angreifen, dafür braucht der Trainer „mindestens 18 gleichwertige Leute“. Die hat Götz, nach den Spielen der Vorrunde zu urteilen, nicht zur Verfügung. Kommt es doch noch zum großen internen Konkurrenzkampf, ist er zumindest nach hinten verschoben.

Falko Götz ist trotz der kurzen Vorbereitungszeit, in der keine großen Trainingsbelastungen möglich waren, mit dem Zustand der Mannschaft zufrieden. Direkt nach dem Abschluss der Hinrunde war Hertha noch ein einwöchiges Trainingslager nach Österreich gefahren, dort ging es vor allem um Regeneration und den Zusammenhalt in der Mannschaft. „Das war eine gute Idee“, sagt Götz. Dafür sind die Berliner im Januar dann gleich in der Stadt geblieben. „Wir haben hier die nötige Infrastruktur, und bei dem Wetter konnten wir auch sehr gut trainieren“, sagt Götz.

Der Trainer selbst hat noch ein anderes Problem. Er läuft schon länger mit einem angerissenen Kreuzband im Knie herum, an dem heute eine Arthroskopie durchgeführt werden muss. Trotzdem will er morgen früh wieder auf dem Trainingsplatz stehen. Dann sind es ja auch nur noch fünf Tage.

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