Sport : So kann’s gehen

Auswärtsstärke, Personalwechsel, die Einstellung: Womit Hertha in Hamburg die Wende schaffen will

von
Hamburger Schwung. In der Heimat will Tunay Torun (r.) zeigen, dass er eine Verstärkung für Hertha ist. Foto: Reuters
Hamburger Schwung. In der Heimat will Tunay Torun (r.) zeigen, dass er eine Verstärkung für Hertha ist. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Berlin - An das Olympiastadion hat Markus Babbel keine guten Erinnerungen. Eine Tartanbahn, so etwas geht immer auf Kosten der Stimmung, und wenn dann mal weniger als 50 000 Zuschauer zu den Spielen kamen, „hatte ich Bleifüße“, sagt Babbel, „da kam ich nur schwer in die Gänge, hatte Probleme, mich zu motivieren.“ Der Trainer von Hertha BSC spricht natürlich nicht vom Berliner Olympiastadion, sondern von dem Münchener Pendant, das zu Babbels Spielerzeit die eher ungeliebte Heimstätte von Bayern München war.

Deswegen kann Babbel auch so schwer nachvollziehen, warum seine Mannschaft beim Saisonauftakt vor 61 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion blockiert wirkte und schwer enttäuschte. „Warum muss ich da Angst haben?“, fragt der 38-Jährige, „die Fans sind doch nicht gegen uns, sondern für uns.“

Die Klärung dieser immer noch offenen Frage kann Babbel jedoch erst einmal um zwei Wochen verschieben, denn Hertha hat erst einmal „zwei schwere Auswärtsspiele vor der Brust“, wie er sagt. Sonntag in einer Woche geht es zu Hannover 96, am heutigen Samstag zum Hamburger SV (15.30 Uhr). Über Nürnberg wird ohnehin nicht mehr viel gesprochen. Er müsse der Mannschaft kaum Spielszenen auf Video zeigen, sagt Babbel, denn es gehe „um Grundsätzliches, jeder muss wieder an seine Grenzen gehen“.

Was Hertha aber abseits von gern bemühten Matchplänen wie „Gas geben“ oder „sich nicht verstecken“ in Hamburg dabei helfen soll, nicht mit der zweiten Niederlage in Folge in einen Fehlstart zu schlittern, bleibt offen.

Da wäre zum einen der Hoffnungsfaktor Auswärtsspiel. Kapitän Andre Mijatovic hatte jüngst darauf verwiesen, dass die Berliner ja auch in der Zweiten Liga auswärts „besser ausgesehen haben als zu Hause“. Doch dieses Hoffnungspflänzchen entspringt dem Boden der Legendenbildung. Es stimmt zwar: Hertha war vergangene Saison die beste Auswärtsmannschaft der Zweiten Liga. Aber zu Hause wurde öfter gewonnen (zwölf Siege im Olympiastadion, elf auswärts), besser gepunktet (38 Punkte daheim, 36 in der Ferne) und es gab mehr Tore (38 Heimtreffer, 31 Auswärtstore).

Die zweite Hoffnung bestünde in personellen Wechseln. Raffael wird wohl in die Startelf zurückkehren, „er hat mir im Training sehr gut gefallen, das ist der Raffa, den ich mir vorstelle“, lobt Babbel erneut den höheren Einsatz, den der Brasilianer wieder zeigt. Er wird wohl hinter den Spitzen spielen, auch wenn Babbel sagt, „dass er, was viele nicht wissen, auch defensiv gut arbeiten kann – wenn er will“.

Das hieße, dass Tunay Torun, der gegen Nürnberg offensiv zentral enttäuschte, für ihn auf die Bank müsste. Doch Babbel sagt, dass für ihn auch eine Rolle spiele, „dass er am Samstag eine Art Heimspiel hat und wie die Vorbereitung verlaufen ist“. Da habe Torun sehr gut trainiert und gespielt. Wahrscheinlicher ist also, dass der gebürtige Hamburger bei seiner Rückkehr zum HSV rechts oder links im Mittelfeld aufläuft. Das hieße, dass Patrick Ebert, unter der Woche erkältet, hinaus müsste; da würde es ihm auch nichts helfen, dass er sich wie Babbel eine Hertha-Fahne auf den Arm hat tätowieren lassen. Oder Pierre-Michel Lasogga könnte eine Pause erhalten. Babbel betont oft, dass er den 19-Jährigen „bändigen muss, denn Erholung ist wichtig“. Adrian Ramos würde dann in den Sturm vorrücken.

Der Trainer hält sich mit Äußerungen zurück, „wer auf dem Platz steht, ist nicht so wichtig“. Denn der dritte und wichtigste Hoffnungsfaktor ist die Einstellung: Die Spieler, fordert er, müssen anders auftreten. Anders heißt in dem Fall: selbstbewusster, lauffreudiger, einfach – besser.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar