Sport : So lange die Beine tragen

Rainer Schüttler besiegt James Blake in Wimbledon

Petra Philippsen

London - Die Erkenntnis wirkte fast ein wenig trotzig. „Ich wusste, dass ich es noch kann“, sagte Rainer Schüttler, nachdem er den Weltranglistenachten James Blake in dreieinhalb Stunden mit 6:3, 6:7, 4:6, 6:4 und 6:4 in der zweiten Runde von Wimbledon niedergerungen hatte. Und die Erkenntnis überraschte, denn nach drei Jahren dauernder Misserfolge hätte dem 32-jährigen Hessen wohl niemand mehr eine derartige Leistung gegen einen Topspieler zugetraut. Wann ihm das zuletzt gelungen sei, daran konnte sich Schüttler selbst nicht mehr erinnern, doch es sei „eine Genugtuung, wenn man es nach einer so langen Durststrecke noch einmal schafft“.

Zu verlieren habe er nichts gehabt gegen den klaren Favoriten, und so zeigte Schüttler phasenweise wieder jenes Tennis, das ihn zu Beginn des Jahres 2003 bis ins Finale der Australian Open und später bis auf Platz fünf der Weltrangliste geführt hatte. Aggressiv, dynamisch und vor allem laufstark agierte er, sein riskantes Spiel zahlte sich in den wichtigen Momenten der Partie schließlich aus. Von diesem Rainer Schüttler schien er nach seinem Erfolgsjahr jedoch auf einen Schlag unendlich weit entfernt zu sein. Niederlage reihte sich an Niederlage, Verletzungen taten ihr Übriges, und so rutschte Schüttler kontinuierlich im Ranking ab. Im Frühjahr 2007 war er nur noch die Nummer 155 der Welt, über sein baldiges Karriereende wurde bereits spekuliert. Doch aufgeben kam für Schüttler nicht infrage: „Für mein Spiel war immer entscheidend, dass ich mich körperlich gut fühle. Und das hatte ich durch unzählige Wehwehchen lange nicht gehabt.“ Seit letzten September spiele er wieder schmerzfrei, und mit dem neuen Wohlgefühl schaffte er es zum Saisonbeginn zurück unter die Top 100.

„Ich habe immer gesagt, so lange mich meine Beine noch tragen, spiele ich auch weiter“, sagte Schüttler. Erlebt habe er eigentlich schon alles in seinen 13 Jahren als Profi, dennoch wolle er es sich jetzt noch einmal selbst beweisen. Spieler wie Andre Agassi hätten ihm gezeigt, dass auch mit über 30 Jahren noch vieles möglich sei, daher nehme er die Tatsache, dass er nun der älteste Spieler im Feld sei, auch eher als Ansporn: „Es macht Spaß, wenn man manche Spieler noch ein bisschen ärgern kann. Und mal sehen, wer sich noch ärgern wird.“ Vielleicht ja als Nächstes der Spanier Guillermo Garcia-Lopez. Petra Philippsen

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