Sport : So normal wie möglich

Warum die Spiele im Sport trotz Krieges weitergehen

Robert Ide

Der Sport hat mit demonstrativer Gelassenheit auf den Beginn des Irak-Krieges reagiert. Alle in Deutschland geplanten Veranstaltungen sollen am Wochenende stattfinden. „Die Spiele der Bundesliga werden ganz normal ablaufen“, sagte Werner Hackmann, Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball Liga (DFL), dem Tagesspiegel. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen in den Stadien sind nicht geplant, auch auf politische Statements soll verzichtet werden. „Eine Schweigeminute ist nicht vorgesehen“, sagte DFL-Sprecher Tom Bender. Der Sport müsse sich jetzt auf sich selbst zurückziehen. „Wir sollten uns nicht von Gefühlen leiten lassen.“

Mönchengladbachs Trainer Ewald Lienen wollte sich dieser Vorgabe nicht anschließen. „Ich habe nicht einen Zentimeter Lust, über Fußball zu sprechen“, sagte Lienen und forderte alle Deutschen auf, aus Protest gegen den Krieg die Arbeit niederzulegen.

Auch international rollt der Ball weiter. Gestern Abend wurden die Viertelfinal-Rückspiele des Uefa-Cups planmäßig angepfiffen. Der europäische Verband Uefa und der Weltverband Fifa hatten dies empfohlen. Die Ligaspiele in England und Spanien – die Regierungen beider Länder hatten den Militärschlag befürwortet – finden ebenfalls statt. Allein in der Türkei gab es Überlegungen, wegen der räumlichen Nähe zum Kriegsgebiet die Meisterschaftspartien zu verschieben.

Deutsche Sportfunktionäre und Politiker warnen vor Panik. „Es gibt derzeit keine Hinweise auf Gefährdungen für Sportler“, sagte der Chef des Sportbundes, Manfred von Richthofen. Bei der Teilnahme an Wettbewerben im Krisengebiet müsse es „eine Einzelfallprüfung geben“, sagte von Richthofen. Der Sport stehe deshalb im ständigen Kontakt mit dem Innenministerium. Winfried Hermann, Sportexperte der Grünen und erklärter Pazifist, forderte die Sportler auf weiterzumachen. „Alle sollten zeigen, dass sie friedlich miteinander im Wettstreit stehen.“

Bislang gibt es international kaum Absagen von Sportveranstaltungen. Die Biathlon-WM in Sibirien wurde fortgesetzt, auch das Formel-1-Rennen in Malaysia wird gestartet. Der Marathon- Schwimmweltcup in den Vereinigten Arabischen Emiraten findet statt. Bislang wurde in diesem Land nur auf die Austragung der „U20“-Weltmeisterschaft der Fußballer verzichtet.

In den USA reagierte der Sport auf den Krieg. Der für Sonntag geplante Washington-Marathon wurde wegen der gefährdeten Sicherheitslage abgesagt. Und die Spiele der Basketball-Liga NBA wurden am Mittwochabend während der Kriegsankündigung von US-Präsident George W. Bush unterbrochen.

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