Sport : So schön wie früher

Das Finale der French Open zwischen Federer und Nadal holt eine vergangen geglaubte Ära zurück

Petra Philippsen[Paris]
Spuren im Sand. Roger Federer kann heute seinen 17. Grand-Slam-Titel holen. Foto: AFP
Spuren im Sand. Roger Federer kann heute seinen 17. Grand-Slam-Titel holen. Foto: AFPFoto: AFP

Einmal hat Roger Federer bislang die French Open gewonnen. Vor zwei Jahren war das und der Schweizer betrachtet den Turniersieg von damals noch immer als einen „ganz besonderen“. In diesem Jahr aber erwartet Federer im Finale von Roland Garros (15 Uhr, live bei Eurosport) nicht wie damals Robin Söderling, sondern Rafael Nadal, „meinen echten Rivalen“ (Federer). Die Ära der beiden ist also noch nicht vorbei: Zum 25. Mal stehen sich die beiden gegenüber, die in den letzten sieben Jahren in einer ganz eigenen Liga gespielt hatten. Es ist ihr 19. Treffen in einem Finale, drei davon fanden in Roland Garros statt. Jedes Mal hatte Nadal triumphiert, 2008 wurde es gar zur schlimmsten Abreibung, die Federer je erhalten hatte. Die 1:6, 3:6 und 0:6-Blamage war das deutlichste Paris-Finale seit 1977, zudem hatte Federer erstmals seit neun Jahren einen Satz zu null verloren.

„Ich weiß, dass es kein Spaziergang wird“, sagt Federer nun, „aber ich habe mich nach der Niederlage damals auch nicht unterkriegen lassen.“ Federer würde seinen Rekord auf 17 Grand-Slam-Titel ausbauen, Nadal könnte mit seiner sechsten Paris-Trophäe mit dem legendären Björn Borg gleichziehen. Doch für den Mallorquiner, der seinen 25. Geburtstag mit dem Sieg über Andy Murray im Halbfinale feierte, steht weit mehr auf dem Spiel. Nur wenn Nadal gewinnt, bleibt er an der Spitze der Rangliste. Andernfalls wird Novak Djokovic am Montag die neue Nummer eins. Der Druck, den der serbische Seriensieger von Saisonbeginn an ausübte, hatte Nadal zu Beginn der French Open verunsichert. Er spielte in Paris nur mäßig, zweifelte an sich und seinen Titelchancen. „Das war vor ein paar Tagen. Jetzt glaube ich wieder, dass ich gewinnen kann“, sagt Nadal.

Doch Nadal hat seinen Nimbus als unbezwingbarer Herrscher auf der roten Asche in den letzten Wochen mit nur zwei Titeln eingebüßt. Und auch wenn er erst ein einziges Mal in Roland Garros verloren hat, so geht er nicht mehr als großer Favorit in sein sechstes French-Open-Finale. Denn Federer, der seit den Australian Open 2010 in keinem Grand-Slam-Endspiel mehr stand, spielte gegen Djokovic wie entfesselt. Es schien, als wollte er es all jenen zeigen, die ihm nicht mehr viel zugetraut hatten. „Schon wenn ich nur ins Viertelfinale komme, wird alles infrage gestellt“, sagt Federer, „aber das ist halt so.“ Der aufbegehrende Djokovic hatte im Vorfeld in den Schlagzeilen gestanden, war aber unter den großen Erwartungen eingeknickt. Federer dagegen hat gerade in solchen Momenten häufig seine stärkste Seite gezeigt – so auch am Freitag.

Die emotionale Unterstützung wird im Finale auf jeden Fall Federer erhalten. Nach dem Halbfinale hatten die „Roger, Roger“-Rufe gar nicht aufhören wollen. Die 15 000 Zuschauer jubelten für ihren Federer, den sie in Roland Garros wohl mehr lieben, als ihre eigenen Spieler. Federer war überwältigt von der Kulisse und kämpfte mit den Tränen. „Es ist unbeschreiblich, wie die Fans mich hier unterstützen und bei mir sind“, sagte er mit zittriger Stimme, „ich fühle mich so geehrt, dass ich das erleben darf.“ Federer brauchte kein Herz in die rote Asche zu malen, wie es Gustavo Kuerten 2001 nach seinem dritten Paris-Triumph getan hatte. Die Zuschauer spüren auch so, wie sehr sich Federer ihnen und diesem Turnier verbunden fühlt. Deshalb werden sie im heutigen Finale auch wieder alles geben, damit Roger Federer zum zweiten Mal in Roland Garros triumphiert.

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