Sport : So sieht ein Champion aus

Christian Hönicke

Sieben Titel hat Michael Schumacher schon gewonnen, am gestrigen Sonntag kam ein achter hinzu. Es war nicht der des Weltmeisters, sondern der eines großen Verlierers.

Kein bitteres Wort kam über Schumachers Lippen, nachdem der geplatzte Motor Schumachers achten WM-Titel in den Ordner mit der Beschriftung Theorie einsortiert hatte. Dafür tröstete der, der doch am meisten Trost gebraucht hätte, seine Mitarbeiter.

Viele Jahre lang hat Michael Schumacher einiges getan, um nicht in solche Situationen kommen zu müssen. Vieles davon war großartig, einiges grenzwertig, anderes ging deutlich über alle Grenzen hinaus. Schumacher war immer ein Getriebener seines eigenen Ehrgeizes, doch jetzt, wo es für ihn in diesem Teil seines Lebens praktisch nichts mehr zu gewinnen gibt, wird er neben der Enttäuschung vielleicht auch eine große Erleichterung spüren, ähnlich wie sie Oliver Kahn nach seiner Degradierung zur Nummer zwei im deutschen WM-Tor empfunden haben will.

Ähnlich wie Kahn ist auch Schumacher trotz all seiner Erfolge erst als Besiegter zu einem großen Sportler geworden. Schumacher hat seinem vermutlichen Bezwinger Fernando Alonso noch nicht die Hand gereicht wie Kahn Jens Lehmann, aber dafür ist es auch noch zu früh. Trotzdem beeindruckte die Gelassenheit und Größe, mit der er seine höchst wahrscheinliche Niederlage eingestand und sie ertrug. Wenn nichts Sensationelles mehr passiert, wird Michael Schumacher vielleicht nicht als Weltmeister abtreten – aber dafür als Champion.

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