Sport : So spanisch wie Buenos Aires

Mit einer Südamerika-Auswahl will der Provinzklub Villarreal heute das Champions-League-Halbfinale erreichen

Sven Goldmann

Berlin - Jose Pekerman wird die Diskussionen über seinen deutschen Kollegen Jürgen Klinsmann um dessen Wohnsitz fern von Deutschland kaum verstehen. Der Mann wohnt ein paar Flugstunden weg von zu Hause – wo, bitte, ist das Problem? Jose Pekerman trainiert die argentinische Nationalmannschaft, und sein Verband hätte wohl nichts dagegen, wenn er seinen Wohnsitz fern der Heimat nähme. Die argentinischen Stars spielen fast ausschließlich in Europa, und deswegen verbringt Pekerman mindestens genauso viel Zeit in Flugzeugen wie Klinsmann. London, Madrid oder Mailand sind von Buenos Aires aus gut zu erreichen, aber die effektivsten Dienstreisen führen Pekerman in das Provinzstädtchen Villarreal.

Im Südosten Spaniens wird großer Fußball gespielt, seit ein Keramik-Fabrikant viel Geld investiert. Heute könnte der FC Villarreal den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feiern, den Einzug ins Halbfinale der Champions League. Ein Sieg muss her im Viertelfinal-Rückspiel gegen Inter Mailand, das im Hinspiel 2:1 gesiegt hatte. Villarreals Argentinier sollen es richten.

Über Paris und Valencia ist Pekerman einen guten Tag lang unterwegs, aber die Reise ist es wert. Wenn man Junioren-Nationaltorhüter Mariano Barbosa dazurechnet, verdienen fünf Argentinier ihr Geld in Villarreal, mithin fast die halbe Nationalmannschaft. Es handelt sich dabei keineswegs um Mitläufer. Juan Roman Riquelme spielt in Villarreal, einer der letzten großen Spielmacher, um den sich vor ein paar Monaten halb Europa riss. Oder Juan Pablo Sorin, der die Argentinier im vergangenen Jahr als Kapitän zum Confed-Cup nach Deutschland führte. Dazu kommen Rodolfo Arruabarrena und Stürmer Gonzalo Rodriguez, die für die WM in Deutschland gesetzt sind.

Nicht nur die Argentinier machen den FC Villarreal zu einer weitgehend südamerikanischen Angelegenheit. Torjäger Diego Forlan und Torhüter Sebastian Viera sind Uruguayer, dazu kommen die naturalisierten Guillermo Franco (Argentinien/Mexiko), Juan Manuel Pena (Bolivien/Spanien) und Marcos Antonio Senna (Brasilien/Spanien). Als Trainer fungiert der Chilene Manuel Pellegrini, der zuvor die argentinischen Klubs River Plate und San Lorenzo zu Meisterschaften führte. Pellegrini hält nicht viel von rauschendem Offensivfußball, ein 1:0 ist ihm lieber als ein 3:2. Das passt zum spröden Charme der Stadt. Das bunteste Element inmitten einer Ansammlung moderner Zweckbauten weht über dem Estadio Madrigal, das gut die Hälfte der 50 000 Einwohner fasst: Es ist die blau-gelbe Vereinsfahne mit dem Maskottchen Groguet, einer Comicfigur mit U-Boot-Kopf. Ihm hat der Verein auch seinen Spitznamen zu verdanken: submarino amarillo.

Am Sonntag siegten die gelben U-Boote 1:0 in Saragossa. Trainer Pellegrini hatte seine Stars Sorin und Riquelme vorsichtshalber zu Hause gelassen. Sie sollten sich schonen für das ungleich wichtigere Spiel heute Abend gegen Mailand. Wie gut die beiden sind, das bekam Inter vor einer Woche im Hinspiel zu spüren. Riquelme traf beim Stand von 1:2 die Latte, kurz vor Schluss wurde Villarreal nach einem Foulspiel von Ivan Cordoba an Sorin ein Elfmeter verweigert. Die knappe Niederlage ertrugen die Spanier mit bemerkenswerter Gelassenheit. Kein Problem, hat Riquelme verlauten lassen. 1:2, das sei doch ein schönes Ergebnis, das werde die Mannschaft zu Hause schon richten. Ein Tor könnte schon reichen für den Einzug ins Halbfinale.

Zuständig für derartige Erfolgserlebnisse ist der Uruguayer Forlan, der auch Villarreals Tor im Hinspiel erzielt hat und in der vorigen Saison mit 25 Treffern Schützenkönig der spanischen Liga war. Sein Sturmpartner damals war ein weiterer Argentinier: Luciano Figueroa aber ging zu Beginn dieses Jahres zurück in die Heimat zu River Plate. Glück hat ihm dieser Wechsel nicht gebracht. Vor vier Wochen erlitt der Mann, der beim Confed-Cup drei Tore für Argentinien geschossen hat, einen Kreuzbandriss. Vorbei war es mit der WM für Figueroa – und für den argentinischen Nationaltrainer Jose Pekerman mit der Hoffnung auf eine kurze Dienstreise in der Heimat.

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