So stellt der 1. FC Union seinen Kader zusammen : Meister im Paketschnüren

Aus ablösefreien oder billigen Spielern hat der 1. FC Union über Jahre eine Mannschaft zusammengestellt, die nun um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielt.

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Schnäppchen. Auch Torjäger Adam Nemec kam ablösefrei zum 1. FC Union
Schnäppchen. Auch Torjäger Adam Nemec kam ablösefrei zum 1. FC UnionFoto: dpa

Manchmal sitzt Nico Schäfer in seinem Arbeitszimmer am Stadion An der Alten Försterei und denkt an alte Zeiten. Etwa als er noch Manager bei Rot-Weiss Essen war. Viel Tradition gab es da und dementsprechend hoch waren die Ansprüche im Umfeld. Schäfer kann seine Kollegen gut verstehen, die in Köln, Kaiserslautern oder Düsseldorf versuchen, mit unterschiedlichen finanziellen Voraussetzungen wieder in die Bundesliga zurückzukehren. Zuletzt machte etwa der 1. FC Köln mit der Rückholaktion von Ex-Nationalspieler Patrick Helmes von sich reden, um seine Ziele zu verwirklichen.

Helmes beim 1. FC Union? Schwer vorstellbar. Die Berliner haben in den vergangenen Jahren zwar eine Mannschaft zusammengestellt, die inzwischen ernsthaft in der Lage ist, mit Köln oder anderen um den Aufstieg zur Bundesliga zu konkurrieren. Gekostet hat das aber vergleichsweise wenig. „Wir geben Geld in einem überschaubaren Rahmen aus, damit sind wir bisher sehr gut beraten gewesen“, sagt Schäfer, der beim 1. FC Union als kaufmännisch-organisatorischer Leiter tätig und unter anderem für die Transfers verantwortlich ist. Diese erfolgen in enger Abstimmung mit Trainer Uwe Neuhaus. Die Schwierigkeit besteht darin, Spieler zu finden, die wenig bis nichts kosten und die sportlich ohnehin schon gute Mannschaft verbessern. Dafür ist es einerseits notwendig, „den Markt täglich im Auge zu behalten“, wie Schäfer sagt. Des Weiteren ist „eine Handvoll Scouts“ mit der Sichtung potenzieller neuer Spieler beschäftigt. „Wir setzen da auf einen kleinen Kreis von Leuten, die das Vertrauen der sportlichen Leitung haben“, sagt Schäfer. Je mehr Personen beteiligt sind, desto unübersichtlicher sei es.

Bis zum Ende der Transferperiode Anfang September gaben die 18 Zweitligisten rund 11,2 Millionen Euro für neue Spieler aus. Davon investierte Köln allein zwei Millionen Euro Ablöse in Angreifer Anthony Ujah. Dessen neuer Sturmpartner Helmes kam zwar ablösefrei aus Wolfsburg, dafür dürfte sein Gehalt aber im siebenstelligen Bereich liegen. Beim VfL soll er rund vier Millionen Euro pro Jahr verdient haben. Kaiserslautern wirtschaftete verglichen mit den Kölnern sparsamer, lieh aber Angreifer Oliver Occean für eine halbe Million Euro von Eintracht Frankfurt aus.

Beim 1. FC Union bewegte man sich in diesem Sommer im mittleren sechsstelligen Bereich, was die Ablösezahlungen an andere Vereine angeht. Dafür kamen gleich drei Spieler. Von den fünf Neuzugängen Damir Kreilach, Mario Eggimann, Sören Brandy, Benjamin Köhler und Martin Dausch kostete nur Kreilach Geld. Alle anderen wechselten ablösefrei zu den Berlinern. Dazu überwies Union Geld an die ehemaligen Vereine von Fabian Schönheim und Roberto Puncec. Bei beiden Verteidigern entschied man sich, die Kaufoption zu ziehen.

Das Konzept, möglichst ablösefreie oder vergleichsweise billige Spieler zu verpflichten, hat sich aus Sicht von Nico Schäfer bewährt. Und das nicht nur, weil der 1. FC Union dieser Tage die Tabelle der Zweiten Liga anführt und am Freitag um 18.30 Uhr den Zweiten Greuther Fürth zum Spitzenspiel im Stadion An der Alten Försterei empfängt.

In der jüngeren Vergangenheit gelang es dem 1. FC Union immer leichter, namhafte Spieler wie die bundesligaerfahrenen Mario Eggimann und Benjamin Köhler nach Köpenick zu locken. Aus einem einfachen Grund: Was der Verein an Ablöse spart, kann er beim Gehalt drauflegen. In Spielerberaterkreisen heißt es schon länger, dass Fußballer beim 1. FC Union gute Verdienstmöglichkeiten haben. Schäfer sagt dazu: „Es ist immer ein Gesamtpaket, das man schnürt. Wenn einer ablösefrei ist, wirkt sich das auch auf sein Grundgehalt aus.“

Nicht zu vergessen die Punktprämien. Gerade da scheint für die Spieler des 1. FC Union in dieser Saison einiges möglich.

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