Sport : So viel Spaß muss sein

Ron Ulrich
Einen habe ich noch. Fifa-Präsident Joseph Blatter bei einer Rede. Foto: Reuters
Einen habe ich noch. Fifa-Präsident Joseph Blatter bei einer Rede. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Es war eine der humorvollsten Aussagen des Jahres: „Krise? Was für eine Krise? Wir haben keine Krise“, sagte Joseph Blatter auf einer Pressekonferenz zwei Tage vor seiner Wiederwahl als Fifa-Präsident. Blatters einziger Gegenkandidat für die Präsidentschaftswahl, Mohamed bin Hammam, soll versucht haben, Stimmen von karibischen Funktionären zu kaufen. Die Fifa-Ethikkommission hat ihn nun lebenslang gesperrt.

Krise? Nein. Die Männer in der Fifa sahen sich in den letzten Jahren häufiger mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert als mit der Frage, was sie zu Mittag essen sollen. Dementsprechend meinte dann auch der Präsident von Surinam zu den Zahlungen: „Ich habe keinen Verdacht geschöpft, weil Fifa-Funktionäre bei diesen Anlässen häufiger beschenkt werden.“ Und auch Blatter wusste von den Vorgängen, was aber auch die Ethikkommission nicht beunruhigte – nach deren Verständnis hätte Blatter dies erst melden müssen, wenn die Zahlungen erfolgt wären.

Ein amerikanischer Journalist äußerte in jenen Tagen: „Blatter ist jemand, der zehn Ideen gleichzeitig hat, von denen elf totaler Blödsinn sind.“ Eine der Ideen war die Fifa-Ethikkommission, die sich des „Falls bin Hammam“ annahm. In der Schweiz wurde im letzten Jahr „Fifa-Ethikkommission“ zum Unwort des Jahres gewählt. Für viele ist es ein Gremium, das genau die Männer kontrollieren soll, von denen es abhängig ist. Nicht die besten Voraussetzungen, fand auch der ehemalige Bundesgerichtshof-Präsident Günter Hirsch – und trat aus. In der Kommission weiterhin beschäftigt sind dagegen Vertreter der Fußball-Mutterländer Panama, Papua-Neuguinea und Guam.

Letzterer hat die Aufsicht über Louis Freeh, ein laut Fifa „externer“ Ermittler in bin Hammams Fall. Freeh aber ist ein ehemaliger Vertragspartner der Fifa, die bei Hammams Geldübergabe anwesenden Fifa-Vorständler soll er nicht mal venommen haben. Freeh war übrigens der FBI-Aufklärer in der Lewinsky-Affäre, müsste also wissen, dass sich häufiges Nachfragen bei Personen mit schwankendem Erinnerungsvermögen lohnen kann.

Die Comedy geht weiter. Denn da wäre noch der Vorwurf einer Frau aus dem Katar-Bewerbungsteam, dass Katar für die WM-Vergabe 2022 rund 1,5 Millionen Dollar an Fifa-Vorständler gezahlt habe. Unter dubiosen Umständen zog sie diese plötzlich zurück. 1,5 Millionen? Für eine WM-Vergabe? Peanuts, wenn man bedenkt, dass der FC Bayern gut 20 Millionen für Manuel Neuer ausgegeben hat. Hätten die Bayern also ein bisschen Humor gehabt, dann hätte sie statt Neuer die WM gekauft – und sie nicht an Katar, sondern vielleicht an Helgoland vergeben. Aber so viel Humor wie die Fifa scheinen sie in München einfach nicht zu haben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben