Sofortiger Abgang : Unions Karl wechselt nach Kaiserslautern

In der Zweitligatabelle liegt der 1. FC Union nur fünf Punkte hinter dem drittplatzierten 1. FC Kaiserslautern. Trotzdem glaubt Markus Karl nicht an eine Aufstiegschance mit den Köpenickern und wechselt zum direkten Konkurrenten.

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Blickrichtung Bundesliga. Markus Karl will mit Kaiserslautern aufsteigen.
Blickrichtung Bundesliga. Markus Karl will mit Kaiserslautern aufsteigen.Foto: Matthias Koch

Berlin - Während die Fußballprofis des 1. FC Union am Donnerstag in 500 Meter Entfernung trainierten, saß Markus Karl in der Geschäftsstelle. Der defensive Mittelfeldspieler des Zweitligisten klärte letzte Details, bevor er zum letzten Mal über den Parkplatz am Forsthaus ging. Aus dem Auto heraus winkte er noch einmal zu. Um 14.23 Uhr raste der 26-jährige Bayer vom Vereinsgelände. Am gestrigen Abend flog er dann nach Belek. In der Türkei hält sein neuer Arbeitgeber, Ligakonkurrent 1. FC Kaiserslautern, derzeit ein Trainingslager ab. Bei den drittplatzierten Pfälzern, die in dieser Saison unbedingt noch in die Erste Bundesliga aufsteigen wollen, unterschrieb Karl einen Vertrag bis 2016.

„Ich gehe mit einem weinenden Auge von Union weg. Ich habe mich in Berlin wohl gefühlt. Ich glaube, dass ich immer ehrliche Arbeit geliefert habe. Aber ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, dass ich in die Erste Liga will“, sagte Karl. „In Kaiserslautern sehe ich die Chance. Ob es klappt oder nicht, ist etwas anderes.“

Bis zum 30. Juni 2012 stand Karl beim 1. FC Union eigentlich noch unter Vertrag. Aber nur im Falle des Aufstiegs hätte sich sein Kontrakt automatisch um zwei Jahre verlängert. Den Glauben, mit Union in absehbarer Zeit aufsteigen zu können, besaß Karl offensichtlich nicht. Wenngleich er erklärt, dass auch Union Entwicklungspotenzial besitzt. „Hier ist etwas am Entstehen. Ich hätte mit Sicherheit gern noch die neue Tribüne erlebt“, sagte Karl. „Aber für mich ist Kaiserslautern vom Gefühl her das Richtige. Ich will nicht in zehn Jahren dastehen und der entgangenen Chance nach trauern.“

Markus Karl nahm in Köpenick nicht nur auf dem Spielfeld als Sechser eine wichtige Rolle ein. Der 2011 vom FC Ingolstadt gekommene Fußballer gehörte seit Beginn dieser Saison auch zum vierköpfigen Mannschaftsrat, der von Trainer Uwe Neuhaus bestimmt wurde.

Der Kampf des Coaches um den Führungsspieler war nicht allzu groß. „Ich habe mit ihm ein Gespräch geführt. Er hat ganz klar gesagt, dass er diese Chance unbedingt wahrnehmen will. Wir haben es im Sommer bei Chinedu Ede (wechselte zu Mainz 05) erlebt, was vom Kopf her passiert, wenn ein Spieler nicht mehr zu 100 Prozent beim Verein ist“, sagte Neuhaus. „Dann wird es schon schwer, den Spieler zu halten. Deswegen habe ich dem Wechsel zugestimmt. Das heißt aber nicht, dass alle Spieler, die wegwollen, auch wegkönnen. Dieses Signal wollen wir nicht geben.“

Wenngleich Karl durch Michael Parensen, Christoph Menz oder Daniel Göhlert ersetzt werden könnte, strebt Union wohl noch bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar eine externe Lösung an. „Wenn Parensen sich verletzt, haben wir ein Problem. Wir müssen langfristig denken. Wir wollen die Mannschaft nicht schwächer machen“, sagte Neuhaus. „Auch nach außen, das habe ich den Spielern gesagt, denken wir natürlich über eine Alternative nach.“

Präsident Dirk Zingler freute sich auch über den Transfererlös, der im niedrigen sechsstelligen Bereich liegen soll. „Es war keine Entscheidung, weil wir Geld brauchten. Es ist eine Situation, in die wir uns in den letzten Jahren mühevoll reingearbeitet haben“, betonte Zingler. „Wir haben ablösefreie Spieler weiterentwickelt und können sie nun gegen eine Ablöse verkaufen. Und bisher konnten wir alle Abgänge immer sportlich auffangen.“

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