Sport : Sogar das Wetter gehorcht

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Von Karin Sturm

Silverstone. Gegen Mitte des Rennens fehlte plötzlich der Wegweiser in der Priory-Kurve. Formel-1-Pilot David Coulthard war in der Zufahrt auf das Gras gekommen und hatte mit seinem McLaren-Mercedes das neben der Strecke postierte Schild mit dem Linkspfeil umgemäht. Ob er damit Weltmeister Michael Schumacher verwirren und dessen Sieg beim Großen Preis von Großbritannien verhindern wollte, ist ungewiss.

Tatsache ist aber, dass es nichts geholfen hat. Schumacher bog am Sonntag jedes Mal korrekt ab und fuhr seinen siebten Saisonsieg ein. Nach einer souveränen Vorstellung im Regenrennen von Silverstone kann er schon mit einem Sieg im nächsten Rennen in Frankreich seinen fünften Titel einfahren. Bedanken kann er sich dabei vor allem beim Wetter, das es nicht besonders gut mit Williams-Fahrer Juan Pablo Montoya meinte. Denn im Trockenen hätte der Kolumbianer gegen Schumacher vielleicht eine Chance gehabt. Aber dann machte der einsetzende Regen die Hoffnungen zunichte. Als bis zu drei Sekunden pro Runde schneller erwiesen sich die Bridgestone-Regenreifen von Ferrari gegenüber denen von Michelin, die Williams und McLaren benutzen.

„Ich muss mich bei unserem Technischen Direktor Ross Brawn bedanken, der heute die Reifenwechsel-Entscheidungen getroffen hat“, meinte Schumacher nach dem 60. Erfolg seiner Karriere. Auf den möglichen Titelgewinn in Frankreich angesprochen, gab er sich unwissend. „Kann das da wirklich schon so weit sein?“, fragte Schumacher, als warte er darauf, dass man es ihm vorrechnet. Im Moment hat er mit 86 Punkten 54 Zähler Vorsprung auf seinen Teamkollegen Rubens Barrichello und 55 auf Montoya. Mit einem Sieg in Magny-Cours wäre er Weltmeister, wenn Barrichello und Montoya maximal Dritte werden. „Es wäre verrückt, wenn ich es nicht schaffen würde“, gab er zu.

Schon vor dem Start war Schumacher diesmal seinen unter diesen Bedingungen ärgsten Rivalen los. Barrichello kam nicht weg, musste sich hinten anstellen, fuhr dann aber auf Platz zwei vor und sorgte für einen Ferrari-Doppelsieg. „Mehr war nicht drin“, sagte der Brasilianer. Montoya schaffte wenigstens endlich wieder einmal den Sprung aufs Podest, hofft aber weiter, „dass einmal die Bedingungen für einen Sieg stimmen“. Die deutliche Kritik überließ er BMW-Motorsport-Direktor Theissen: „Wir fahren mit unseren Reifen im Nassen der Konkurrenz immer noch hinterher.“ Daran lag es jedoch nur bedingt, dass Ralf Schumacher, der andere Williams-Pilot, nicht mal Punkte holte. Er kam nach einer Panne beim Boxenstopp, als die Tankanlage streikte, nur als Achter ins Ziel. „Beim nächsten Mal nehme ich einen Fünf-Liter-Kanister mit“, sagte er danach.

Heinz-Harald Frentzen war sogar den Tränen nahe: Nach den Problemen seines Arrows-Teams fuhr er von Platz 15 auf Rang sieben vor, war gerade dabei, Ralf Schumacher zu überholen. Doch dann ließ ihn sein Motor im Stich. Dagegen holte Sauber-Pilot Nick Heidfeld als Sechster einen Punkt.

Und Coulthard? Der landete am Ende mit zwei Runden Rückstand auf Platz zehn, weil er bei den wechselnden Bedingungen stets die falsche Reifenwahl traf.

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