Sport : „Soll ich sagen, es ist zum Heulen?“

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Herr Heeren, Sie wollen wirklich weniger Geld verdienen?

Wie kommen Sie denn darauf?

Es war zu hören, dass die Spieler von Alemannia Aachen freiwillig auf 20 Prozent ihres Jahresgehalts verzichten.

Das stimmt, wir Spieler und die Trainer.

Geht es Ihrem Verein wirklich so schlecht?

Und wie. Es ist nicht gerade der Zeitpunkt zum Feiern.

Sondern?

Soll ich sagen, es ist zum Heulen? Die neue Vereinsführung hat eine Menge Altlasten übernommen. Sie glauben ja gar nicht, was damals hier los war.

Was denn?

Ich sage es mal so: Hier wurde Champagner getrunken, obwohl nicht mal Wasser hätte bestellt werden dürfen. Die Kirch-Krise kam dann als Hammerschlag obendrauf.

Was wollen Sie mit dem Verzicht erreichen?

Wir wollen ein Signal setzen. Die Menschen in und um Aachen sollen sehen: Hey, guck mal, die Spieler tun auch etwas, um zu helfen.

Und, gibt es schon Reaktionen?

Ja, nur positive. Wir konnten zwei neue Spieler unter Vertrag nehmen: Eric van der Luer aus Kerkrade, und jetzt eben hat Karlheinz Pflipsen einen neuen Vertrag unterschrieben. Wir haben die Ausgaben des Vereins gesenkt. Jetzt sind ein paar Sponsoren eingestiegen, die auf Zeichen des Vereins gewartet hatten.

Wer hatte die Idee mit dem Gehaltsverzicht?

Beide Seiten, also die Vereinsführung und wir Spieler, haben miteinander gesprochen. Und weil diese Gespräche vernünftig verliefen, kam etwas zustande.

Ganz ohne Widerspruch?

Natürlich nicht. Einige Spieler mussten erst überzeugt werden. Ich zum Beispiel.

Aber Sie sind doch der Kapitän – ein Vorbild.

In meinem Vertrag steht nicht, dass ich Geld abgeben soll. Aber okay, ich bin fünf Jahre hier. Es geht ja um unsere Arbeitsplätze.

Die Vereinigung der Vertragsfußballer in Deutschland hat in solchen Fällen empfohlen, sich die genauen Zahlen vorlegen zu lassen...

Einige Spieler, wie auch ich, wurden informiert.

Im März des Jahres ging in der Kabine von Alemannia schon einmal der Hut rum...

Sie sagen es. Damals ging es um die kurzfristige Liquidation des Vereins. Wir haben der Vereinsführung jetzt gesagt, dass die Schmerzgrenze erreicht ist.

Und, wie reagierte die Vereinsführung?

Sie sagte nur: Von jetzt an geht es nur noch bergauf mit der Alemannia.

Das Gespräch führte Michael Rosentritt.

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