Sport : Solo für zwei

Bei der Eiskunstlauf-Meisterschaft überstrahlen Sawtschenko/Szolkowy alles

Frank Bachner

Berlin - Stefan Lindemann kommt auch, er ist ja schon in der Reha nach seiner Leistenoperation. Lindemann fährt von Erfurt nach Dresden, aber er wird nicht aufs Eis gehen, er schaut nur zu. Die Deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften in Sachsens Metropole finden ohne den Titelverteidiger bei den Herren statt. Das ist sportlich gesehen ein Verlust für diesen Wettbewerb, zweifellos. Lindemann ist WM-Dritter von 2004, er ist der beste deutsche Läufer der vergangenen Jahre. Lindemann fehlt – das ist aber auch eine Chance. Für die Talente, die bisher in seinem Schatten gestanden haben. Dresden bietet sowieso eine Bühne für Talente, auch bei den Frauen. In Dresden könnte sich zeigen, ob es Hoffungen für die nächsten Jahre gibt. Ob Lücken bei den Athleten der Deutschen Eislauf-Union (DEU) irgendwann zu füllen sind.

Peter Liebers aus Berlin gilt als größtes deutsches Talent, aber einer der Gründe, aus denen er das bisher im entscheidenden Moment eher selten zeigte, war Lindemanns Präsenz. Jetzt kämpft der 19-Jährige um den Titel, ebenso wie sein Bruder Martin. Titelchancen besitzt auch noch der Trainingskollege der Brüder, der 21-jährige Clemens Brummer. Sie alle haben enormen Leistungsdruck, die DEU fordert von ihren derzeitigen Spitzenleuten, dass sie alle Dreifachsprünge sowie mindestens einen Dreifachsprung in einer Kombination beherrschen. Es geht schließlich um zwei Plätze bei der Europameisterschaft welche die DEU besetzen darf. Und nur wer einen gewissen internationalen Standard erfüllt, der wird auch nominiert.

Auch bei den Frauen wird es vermutlich kurzweiliger als 2007. Annette Dytrt hat sich nach vielen Wirren stabilisiert. Sie trainiert nun in Oberstdorf bei dem früheren Skandalcoach Karel Fajfr, der wegen sexuellen Missbrauchs von Läuferinnen vorbestraft ist. Im vergangenen Jahr fehlte sie bei den Titelkämpfen, jetzt ist sie favorisiert. Bis auf den dreifachen Axel steht sie alle Dreifach-Sprünge.

Dytrt ist jetzt 24, zehn Jahre älter als Sarah Hecken. Die 14-Jährige gilt als eines jener Talente, die mal international nicht bloß auf hinteren Plätzen auftauchen könnten. Sie steht vier verschiedene Dreifach-Sprünge; auch die 13-Jährige Isabel Dreschen zeigt mehrere Dreifachsprünge. Die beiden sollen nicht unbedingt um den Titel kämpfen, sie sollen in die Rolle der Hoffnungsträger finden.

Das Glanzlicht von Dresden dürften aber natürlich Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy setzen. Das Chemnitzer Paar hat gerade das Grand-Prix-Finale gewonnen, ein enormer Erfolg für das Duo des umstrittenen Trainers Ingo Steuer. Wenn sie nicht stürzen, haben sie den Titel sicher. Aber sie wollen eigentlich einen ganz anderen Triumph. Steuer sagt: „Wir möchten Weltmeister werden.“

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