Sport : Sommerliche Sinnkrise

Werder Bremen scheidet in Heidenheim aus

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Es ist ein netter Versuch gewesen, dass die Verlierer in den grünen Gewändern nicht sofort in die Kabine flüchteten. Sondern wenigstens eine Danksagung an jene unentwegten Getreuen des SV Werder loswerden wollten, die die beschwerliche Reise in die Schwäbische Ostalb mitgemacht hatten. Doch schnell wurden den Bremer Bundesliga-Profis gewahr, dass mit dem eigenen Anhang an diesem Tag nicht zu spaßen war: Wütend reckten sich Fäuste in die Luft, Bierbecher flogen. Also machte der Trauermarsch wieder kehrt.

Wie viel Schaden die 1:2 (1:0)-Blamage beim 1. FC Heidenheim in der ersten DFB-Pokalrunde wirklich angerichtet hat, war eine Stunde später daran abzulesen, dass tatsächlich einige Dutzend Werder-Fans sich wütend an einer Sitzblockade des Bremer Mannschaftsbusses versuchten. Erst mit tatkräftiger Hilfe einer Polizeieskorte konnte sich das grün-weiß lackierte Luxusgefährt freie Fahrt verschaffen. Vielleicht war es für diese gefrusteten Anhänger nicht zu ertragen gewesen, dass aus den Lautsprechern der Arena Karnevalslieder plärrten und im Mittelkreis die Heidenheimer Helden Veitstänze aufführten, während die Verlierer lediglich Löcher in die Luft starrten.

Trainer Thomas Schaaf zeigte sich „maßlos verärgert“. Das Besorgnis erregende aus Bremer Sicht: Von einer Sensation ist nicht zu sprechen, wenn der mit einem fünf-Millionen-Etat operierende Außenseiter am Ende tatsächlich das bessere, weil leidenschaftlichere Team stellt. Schon der Prachtschuss von Markus Rosenberg zum 1:0 nach einer halben Stunde platzte in eine Phase, in der der Favorit ein ziemlich ernüchterndes Bild abgab. Trotzdem hätten wohl alle einen Haken unter die Partie gemacht, wenn Marko Marin, der nach eigenem Bekunden in dieser Saison zurück in die Nationalelf und zur EM will, kurz nach dem Wechsel nicht einen Handelfmeter verschossen hätte.

So kam es zur Wende im Spiel: Erst schlenzte Christian Sauter nach 57 Spielminuten einen Freistoß ins Tor, 100 Sekunden später glückte Marc Schnatterer das 2:1. Symbolhaft, wie der langsame Clemens Fritz hinterherlief und der desorientierte Andreas Wolf ins Leere grätschte. Schon zu diesem Zeitpunkt zog sich Klaus Allofs arg verärgert auf der Ersatzbank in eine Ecke zurück, verschränkte Arme und Beine. Der Vorstandsvorsitzende brauchte eine Weile, um das Erlebte in Worte zu fassen: „Das ist ein Riesen-Rückschlag. Wir haben nicht nur einen Imageverlust, sondern auch einen materiellen Schaden erlitten.“ Damit stürzt der SV Werder noch vor Ligabeginn gleich in die nächste sommerliche Sinnkrise, kaum ist das Theater zwischen Aufsichtsrat und Vorstand nach außen hin beigelegt.

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