Sommerspiele in China : Olympisches Feuer kommt nicht nach Taiwan

Das Olympische Feuer wird auf seinem Weg zu den Sommerspielen in Peking nicht wie ursprünglich geplant nach Taiwan getragen. Hintergrund ist der Streit mit China um die Unabhängigkeit des Landes.

Taipeh Beide Seiten konnten sich in Verhandlungen nicht auf die Umstände und Route für den Fackellauf einigen. "Wir bedauern es sehr, dass die olympische Fackel wegen der unangemessenen Forderungen Chinas nicht Taiwan kommen kann", sagte der Vorsitzende des taiwanesischen Sportrats, Yang Tzung-ho. Er bezog sich auf die chinesische Forderung, dass an der Route durch Taiwan die taiwanesische Nationalflagge nicht gezeigt und auch die Nationalhymne nicht gespielt werden dürfe.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte beiden Seiten bis Donnerstag Zeit gegeben, ihre Differenzen über den Fackellauf auszuräumen. Das Tauziehen dauert seit Monaten an. Die demokratische Inselrepublik, die von der kommunistischen Führung in Peking nur als abtrünnige Provinz angesehen wird, bestand darauf, dass das Olympische Feuer von einem Drittland nach Taiwan und dann wieder in ein Drittland weitergereicht wird, um ihren eigenständigen Status zu unterstreichen. Im April hatte Peking allerdings eine Route von Vietnam nach Taiwan und dann weiter nach Hongkong angekündigt, das seit 1997 unter chinesischer Souveränität steht. Ursprünglich hatte es im März auch noch Anzeichen gegeben, dass Taiwan diese Strecke akzeptieren würde. Doch protestierte Taipeh damals plötzlich gegen den Plan, weil es sich damit nur als erste Station des chinesischen Teils des Fackellaufs empfand. Seither liefen die Verhandlungen.

Trotz des Streits will Taiwan aber weiter seine Athleten zu den Spielen im August 2008 in Peking schicken. "Die Tatsache, dass die Fackel nicht kommt, bedeutet nicht notwendigerweise, dass wir nicht an den Spielen teilnehmen werden", sagte Yang Tzung-ho vom Sportrat. Der Vorsitzende des Olympischen Komitees von Taiwan, Tsai Chen-wei, gab Peking die Schuld daran, dass Taiwan jetzt nicht in den Fackellauf eingebunden wird: "Es ist völlig unangemessen von ihnen, in der letzten Minute noch zusätzliche Forderungen aufzustellen." Nach seiner Darstellung war in dem Tauziehen um die Route vorher bereits ein Kompromiss gefunden worden. "Wie konnten sie das tun, nachdem beide bereits einen Konsens gefunden hatten?", fragte Tsai Chen-wei. (mit dpa)

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