Sport : Sonne, Sand und mehr

Beachvolleyball-WM in Berlin bringt den Deutschen eine Bronzemedaille

Karsten Doneck

Berlin - Der Dialog war nur kurz. Als Thorsten Schoen auf dem Weg zur medizinischen Abteilung von einer Zuschauerin entdeckt wurde, rief die Frau über alle Absperrungen hinweg: „Prima gemacht, Thorsten.“ Wie zur Bestätigung dieser Worte applaudierten die zwei Dutzend Leute, die diese Aufmunterung gehört hatten. Schoen blieb kurz stehen und rief zurück: „Tut mir echt Leid, dass wir euch nicht mehr bieten konnten.“

Bei der Beachvolleyball-Weltmeisterschaft auf dem Schlossplatz in Berlin hatten sich die über die Nachrückerliste ins Hauptfeld gelangten Marvin Polte und Thorsten Schoen (Schüttorf/Nordhorn) in die Herzen des Publikums geschmettert. Aber im Halbfinale endete gestern ihr Erfolgsweg: 18:21, 14:21 gingen sie gegen die Brasilianer Marcio Araujo und Fabio Magalhaes unter. Die erste Niederlage im fünften Spiel dieser WM – aber nicht die letzte. Im Spiel um Platz drei schnappten ihnen Julius Brink und Kjell Schneider (Leverkusen/Kiel) auch noch die Bronzemedaille weg. 16:21, 21:17, 15:10 siegten Brink/Schneider und holten damit die erste WM-Medaille für Deutschland im Beachvolleyball überhaupt. Die beste Platzierung war bisher Platz fünf von Ulrike Schmidt/Gundula Staub im Jahre 1999. Es mag Polte/Schoen ein wenig trösten, dass ihr Halbfinal-Gegner auch Weltmeister wurde. Im Finale bezwang das Team Araujo/Magalhaes die Schweizer Sascha Heyer/Paul Laciga mit 2:0 (22:20, 21:12).

Polte/Schoen zeigten am Finaltag deutliche Ermüdungserscheinungen. Beide hatten zum Halbfinale ihre Oberschenkel mit blauen Tapebändern verziert, ein sichtbares Zeichen für die Belastung der letzten Tage. Zudem brach während des Spiels gegen die Brasilianer bei Schoen eine Oberschenkelzerrung wieder auf. Aufgeben wollte er partout nicht. Sein Ehrgeiz, an seinem Arbeitsplatz bei der Sparkasse Nordhorn den Kollegen wenigstens noch die Bronzemedaille vorführen zu können, trieb ihn zu der scherzhaft gemeinten Aussage: „Wenn mir jetzt einer einen gesunden Oberschenkel gibt, lasse ich den sofort transplantieren.“

Obwohl sie knapp an einer Medaille vorbeirutschten: Polte/Schoen haben bei der WM den markantesten Farbtupfer gesetzt. Ihr natürliches, unkompliziertes Auftreten, ihre offene Art des Umgangs, der leidenschaftliche Kampf um jeden Ball – das kam an. Und wie sie das Publikum mit einfachen Gesten in Stimmung versetzten, das kann kein Animateur auf Mallorca besser. Schon nach dem ersten Sieg über Olympiasieger Dain Blanton und dessen Partner Kevin Wong (USA) wurden die Beiden von den Zuschauern ähnlich kultig behandelt wie große Popstars. Als Polte/Schoen den Sandplatz zum Halbfinale betraten, erhoben sich die 8000 Zuschauer auf den vollen Rängen am Centre-Court fast schon ehrfürchtig von ihren Plätzen, jubelten und applaudierten stehend. „Wir sind kein schlechtes Team, aber was wir in Berlin gezeigt haben, das war der Ausnahmezustand“, gab Marvin Polte nachher zu. Für Thorsten Schoen waren es schlicht „die geilsten Tage meines Lebens“.

„Sie haben mit ihrer Spontaneität und Haudrauf–Mentalität die Zuschauer mitgerissen“, sagte auch Werner von Moltke, der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV). Nun ist die WM zu Ende. „Es war die beste WM, die es je gegeben hat. Das Wetter hat mitgespielt, die Zuschauer waren begeistert, die Stimmung war gut“, sagte von Moltke. Sonne, Sand – und mehr? Zumindest nicht finanziell. „Kein Euro bleibt für den Verband übrig“, sagte von Moltke. Für die meisten Plätze im Stadion war der Eintritt frei, am Finaltag bildeten sich vor den Aufgängen lange Warteschlangen. Damit es leistungsmäßig bergauf geht, wurde Jörg Ahmann (39), Olympiadritter 2000, als Bundestrainer angeheuert.

Auch Ruben Acosta, der Präsident des Weltverbandes FIVB, fand lobende Worte für die WM. „Die Deutschen haben ihren Job hervorragend gemacht“, sagte Acosta. Eine Einschränkung lag ihm aber doch am Herzen: „Nur die Toiletten – davon waren zu wenig da.“

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