Sonntagsspiele : "Wir haben die Schnauze voll"

Norbert Bauer, Vereinschef des SSV Buer, spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über geplante Streiks der Amateure gegen die Bundesligaspiele am Sonntag.

Herr Bauer, sind Sie ein Querulant?



Überhaupt nicht! Spaß macht mir das ganz bestimmt nicht.

Sie haben im Fußballkreis Gelsenkirchen/Gladbeck/Kirchhellen zum Streik aufgerufen, um gegen die Einführung eines Bundesligaspiels am Sonntag um 15.30 Uhr zu protestieren.

Wir können doch nicht zu allem Ja und Amen sagen, wir müssen auch mal ein Zeichen setzen. Das hört sich vielleicht nach Anarchie an. Aber wir haben gar keine andere Möglichkeit, auf uns aufmerksam zu machen. Die DFL hat sich im Grundlagenvertrag mit dem DFB verpflichtet, sonntags vor 17.30 Uhr möglichst keine Bundesligaspiele anzusetzen. So viel ich weiß, ist der Vertrag noch gültig.

Was ist Ihre Sorge?

Wenn Schalke am Sonntagnachmittag spielt, brauche ich die Anlage bei uns gar nicht mehr aufzumachen. Da kommt kein Mensch. Die gucken alle Premiere. Wir haben auch mit anderen Fußballkreisen gesprochen. Die sehen das genauso. Wenn es so weitergeht, können wir den Spielbetrieb einstellen. Dann ist der Amateursport über kurz oder lang ganz tot.

Ist das nicht ein bisschen übertrieben?

Gar nicht. Die Sonntagsspiele um 17 Uhr sind schon eine Katastrophe. Zu den Spielen unserer ersten Mannschaft in der Landesliga kommen im Schnitt 200, 250 Zuschauer. Als Schalke einmal am Sonntag gegen Wolfsburg gespielt hat, hatten wir 66 Zahlende. Und es gibt bei uns Kreisligisten, da hat die halbe Mannschaft eine Dauerkarte für die Arena.

Der DFB argumentiert, vom Geld für den Spitzenfußball profitierten die Amateure.

Das ist völliger Quatsch. Sie können ja auch mal fragen: Was wäre der Spitzenfußball ohne die Amateurvereine? Die Profifußballer haben doch fast alle mal in kleinen Vereinen angefangen.

Was haben Sie konkret vor?

Am Montag entscheidet der Staffeltag definitiv, ob wir am 1. März streiken. Dann würden alle Mannschaften aus der Kreisliga A, B und C nicht zu ihren Spielen antreten. Stattdessen gibt es bei uns auf der Anlage eine große Protestveranstaltung.

Wie ist die Tendenz?

Ich habe das Gefühl, dass alle unserer Meinung sind. Ob aber auch alle Vereine den Mut haben mitzumachen, ist eine andere Frage. Ich habe gehört, dass der eine oder andere Schiss hat.

Es hat Überlegungen gegeben, den Streik auf das gesamte Ruhrgebiet auszuweiten.

Das bekommen wir flächendeckend so schnell nicht hin. Aber es wäre ganz gut, wenn die da oben endlich mal merken, dass es an der Basis gewaltig brodelt. Seit 30 Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich im Amateurfußball. Langsam haben wir die Schnauze voll. Jetzt ist Feierabend. Jetzt mucken wir ein bisschen auf. Wir haben schon ganz schön für Aufruhr gesorgt.

Wie hat der Verband reagiert?

Der hat mit dieser Resonanz nicht gerechnet. Es wird uns schon gedroht, dass wir bestraft werden sollen. Aber da habe ich keine Angst vor. Auf die Spruchkammersitzung freu ich mich schon.

Glauben Sie wirklich, dass Sie mit einem Streik etwas ändern könnten?

Es wird auf jeden Fall ein harter Kampf. Aber wenn man die Sache nüchtern und realistisch betrachtet, muss man auch sagen: Gegen das große Geld kann man nichts machen.

Das Gespräch führte Stefan Hermanns.

Norbert Bauer, 58,

ist seit sechs Jahren Vorsitzender des Gelsenkirchener Vereins SSV Buer. Von ihm stammt die Idee, gegen die Fernsehpläne der DFL in den Streik zu treten.

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