Sport : Sorge dich nicht, siege

Hertha BSC steckt auch den Ausfall von Kapitän Andre Mijatovic gelassen weg

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Mach’s gut, Junge. Andre Mijatovic ermutigt Sebastian Neumann (r.). Foto: Matthias Kern
Mach’s gut, Junge. Andre Mijatovic ermutigt Sebastian Neumann (r.). Foto: Matthias KernFoto: Matthias Kern

Berlin - Zwei Fragen musste Raffael als Vorgeplänkel über sich ergehen lassen, ehe es mit der dritten endlich richtig zur Sache ging: Schafft ihr es, die Saison ohne Niederlage zu Ende zu spielen? „Ich hoffe es“, antwortete der Brasilianer, der das Tor zum 2:0-Endstand für Hertha BSC gegen Fürth erzielt hatte. Schöne Themen sind das, mit denen sich der Berliner Zweitligist derzeit zu beschäftigen hat. Hertha ist Spitzenreiter, Hertha wird am Ende des neunten Spieltages mindestens vier Punkte Vorsprung auf Platz vier besitzen, Hertha ist weiterhin als einzige Mannschaft im deutschen Profifußball ungeschlagen, und Hertha hat seit nunmehr 458 Minuten kein Gegentor mehr kassiert. Die Laune könnte besser kaum sein – dachten die Berliner am Freitagabend.

Am Morgen danach, als Peter Niemeyer den Trainingsplatz verließ, glaubte er immer noch, beste Laune zu haben, „die Sonne scheint“, sagte er. Aber da wusste Herthas defensiver Mittelfeldspieler noch nicht, was die Untersuchung bei Andre Mijatovic ergeben hatte. Sechs Wochen werden die Berliner auf ihren Kapitän und Innenverteidiger verzichten müssen. Nach einem Schlag auf sein rechtes Knie musste Mijatovic gegen Fürth ausgewechselt werden. Die Hoffnung, dass das taube Gefühl in seinem Bein nur von einem eingeklemmten Nerv herrührte, bestätigte sich nicht. Der Kroate hat sich eine Fraktur des Wadenbeinköpfchens und einen Außenbandanriss zugezogen. „Das ist sehr bitter“, sagte Peter Niemeyer. „Das trübt natürlich die Freude.“

Nach Torhüter Maikel Aerts und eigentlich auch Fabian Lustenberger ist Mijatovic der dritte Spieler der zentralen Achse, auf den Trainer Markus Babbel erst einmal verzichten muss. Zudem hat es gegen Fürth Nikita Rukavytsya erwischt. Der Australier erlitt einen Muskelfaserriss im Oberschenkel und fällt wohl zwei Wochen aus. „Langsam wird’s ein bisschen voll im Lazarett“, sagt Babbel. „Aber wir jammern auch auf hohem Niveau.“

Herthas Kader hat sich bisher als belastbarer erwiesen, als man das vor der Saison erwarten konnte. Hinter der ersten Elf schien es doch ein bisschen dünn zu werden mit all den jungen Leuten, die im Sommer noch ohne jegliche Erfahrung im Erwachsenenfußball waren. In der Praxis aber hat sich das nicht nachteilig ausgewirkt. „Die Jungs haben in den letzten Wochen bewiesen, dass sie über eine hohe Qualität verfügen“, sagt Peter Niemeyer. Am Freitag im Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten wechselte Babbel beim Stand von 0:0 einen 17-Jährigen (Nico Schulz), einen 18-Jährigen (Pierre-Michel Lasogga) und einen 19-Jährigen (Sebastian Neumann) ein. „Wenn ich Bedenken hätte, würde ich sie nicht bringen“, sagte Herthas Trainer.

Neumann ist durch Mijatovics Ausfall sogar fürs Erste zum Stammspieler aufgerückt. „Ich fühle mich bereit dafür“, sagte er am Tag nach den ersten 25 Minuten in der Zweiten Liga. „Ich weiß, was ich kann.“ Seine Selbstwahrnehmung deckt sich mit der Einschätzung seines Umfelds. Babbel hält den jungen Mann für „ein hochgradiges Talent“, bei dem er keinen Zweifel hatte, dass er „hundertprozentig funktionieren wird“. Nach seinen Eindrücken aus dem Training hätte er Neumann sogar schon früher bringen müssen. „Das war schon hart für ihn, immer wieder vertröstet zu werden“, gibt Babbel zu.

„Guter Junge“, sagt Roman Hubnik über seinen künftigen Nebenmann in der Innenverteidigung, und auch Peter Niemeyer hat wegen Neumann keine Sorgen, „weil er einfach ein guter Typ ist“. Er hat den U-21-Nationalspieler als „ruhig, sachlich, zweikampfstark“ kennengelernt und für seine 19 Jahre schon sehr abgeklärt. „Man merkt ihm das Alter nicht an“, sagt Niemeyer. Es ist in der Tat erstaunlich, mit welcher Gelassenheit Neumann auf seinen ersten richtigen Karrieresprung reagierte. Ob er gut geschlafen habe, wurde er am Morgen nach seinem Ligadebüt gefragt. „Ich habe sehr gut geschlafen.“

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