Sport : Sorgenvolle Weihnacht

Die finanzielle Not ist groß beim Zweitligisten 1.FC Union

Karsten Doneck

Berlin. Es sind unruhige Zeiten beim 1. FC Union. Hatte noch vor zwei Jahren der Pakt mit dem Filmrechtehändler Michael Kölmel eine sorglose Existenz suggeriert, so schockierte Heiner Bertram, der Präsident, die Fans unlängst mit der Kunde, dass im Frühjahr nächsten Jahres die Insolvenz drohe. Bei der Suche nach Überlebensstrategien stieß der Klub auf die Idee, den Spielern zur Konsolidierung des Haushalts die Gehälter zu kürzen. Das Gros der Profis wird der Bitte nachkommen, auch mangels vernünftiger Alternativen. Anderen Vereinen geht es schließlich weitaus schlechter als Union. „Bei uns handelt es sich um ein Defizit von 500 000 Euro, beim MSV Duisburg, so habe ich in der Zeitung gelesen, sind es 2,7 Millionen Euro“, sagt Heiner Bertram. Das soll beschwichtigend klingen. Die große Not anderer macht die eigene kleiner.

Union versucht den Eindruck zu erwecken, die Dinge im Griff zu haben. „Unser Handeln halte ich für seriös und weitsichtig“, sagt Heiner Bertram. Und nach all den Diskussionen um die Sparmaßnahmen des Vereins fordert er jetzt die Rückbesinnung auf die eigentliche Bestimmung eines Fußballklubs. „Wir müssen uns langsam mal wieder dem Sport zuwenden“, sagt Bertram. Am Sonntag (15 Uhr, Alte Försterei) empfängt der 1. FC Union nach vier Spielen ohne Niederlage den Aufsteiger Eintracht Trier zum letzten Pflichtspiel des Jahres.

Mit einem Sieg gegen Eintracht Trier käme Union heute auf 24 Punkte und könnte sorgenfrei Weihnachten feiern. Sorgenfrei? Wenn da nicht die leidige Frage der Finanzen wäre. Wie schlecht geht es Union denn nun wirklich? Frank Rybak, Anwalt der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV), sagt: „Schlecht.“

Als Vertreter der Union-Profis gegenüber dem Präsidium bei den Gehaltskürzungen hatte Rybak beim 1. FC Union Akteneinsicht genommen. Er befürwortete danach die Gehaltskürzungen. „Wir haben große Bauchschmerzen dabei, aber es ist die einzige Möglichkeit, den Spielbetrieb über die Saison bei Union aufrechtzuerhalten“, sagte Rybak. Bertrams Argument, der Verein sei unverschuldet und einzig durch die Kirch-Krise in Finanznot geraten, lässt der Rechtsanwalt nicht gelten. „Die direkte Verknüpfung ist falsch. Es gibt Verbindungen und Verstrickungen, die aus der Zeit mit Michael Kölmel stammen“, sagt Rybak.

Union war zuletzt finanziell vom Filmrechtehändler Michael Kölmel abhängig, dessen Unternehmen Kinowelt und Sportwelt nun insolvent sind. Der 1. FC Union zahlt aus dieser Zeit ein Darlehen ab, das Anfang des Jahres noch bei rund neun Millionen Euro lag. Als Union sich im Februar seine Eigenständigkeit zurückholte, wurde mit Kölmel „eine Mindestrückzahlung vereinbart“, so Bertram damals. Die Höhe der jährlichen Rückzahlungsrate soll angeblich bei rund 250 000 Euro pro Saison liegen. Wohlgemerkt: als Minimum.

Noch steht die Zustimmung der Fußballprofis zu dem fünfprozentigen Gehaltsverzicht aus. Bis Montag wollen sie sich entschieden haben.

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