Sotschi : Ukraine prüft Boykott der Paralympics

In der Welt werden vor Beginn der Paralympics in Sotschi Stimmen lauter, die Nationen zum Boykott auffordern. Nach Tagesspiegel-Informationen prüft die Ukraine, den Spielen fernzubleiben, sollte sich auf der Krim nichts ändern.

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Am Freitag beginnen die Paralympics in Sotschi. Ob es fröhliche Spiele werden, hängt auch von der Lage auf der Krim ab.
Am Freitag beginnen die Paralympics in Sotschi. Ob es fröhliche Spiele werden, hängt auch von der Lage auf der Krim ab.Foto: Imago

Die Nationalmannschaft der Ukraine prüft nach Tagesspiegel-Informationen einen Boykott der Paralympischen Winterspiele 2014. Sollten die russischen Truppen bis zum Beginn der Paralympics im russischen Sotschi am 7. März nicht von der Krim abgezogen sein, zieht die paralympische Nationalmannschaft einen Boykott der Spiele in Betracht. Dies sagte die Pressesprecherin des Nationalen Paralympischen Komitees (NPC) der Ukraine, Nataliya Harach, dem Tagesspiegel im zentralen Bergort Gorki Gorod. Sollte sich an der Lage auf der Krim nichts Entscheidendes ändern, will das Team mit 31 Teilnehmern, darunter acht Begleitläufer, geschlossen von den Spielen fern bleiben. "Wir können es mit unserem Herzen nicht verantworten, in einem Land an einem internationalen Sportwettkampf teilzunehmen, das uns kriegerisch gegenübersteht", sagte Nataliya Harach. Derzeit führe NPC-Präsident Valeriy Sushkevich Gespräche auf höchster Ebene.

Es seien alle Sportler sehr traurig und ergriffen wegen der aktuellen politischen Weltlage. "Wir hoffen alle, an den Spielen teilnehmen zu können", sagte die Pressesprecherin. Doch man werde die Entwicklungen der kommenden Tage genau beobachten und Schlüsse ziehen sowie Entscheidungen treffen, um die Art und Weise eines Boykottes zu prüfen. Derzeit fühlten sich alle Mannschaftsteilnehmer in Russland in der "paralympischen Familie" sehr wohl.

Viele Staatsoberhäupter bleiben den Paralympics fern

Die deutsche Mannschaft denkt nach Aussage ihres NPC-Präsidenten Friedhelm-Julius Beucher derzeit nicht an einen Rückzug. Ein Boykott sei nur dann sinnvoll, wenn viele mitmachten, sagte Beucher der Nachrichtenagentur dpa. Die Grünen haben jetzt einen Boykott der Spiele gefordert. Vertreter Großbritanniens wie der Paralympics-Unterstützer Prince Andrew bleiben Sotschi aus politischen Gründen fern. Auch der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hatte schon vor längerer Zeit wegen der Politik Putins seinen sonst üblichen Besuch der Paralympics abgesagt.

Unterdessen werden alle Besucher, die in den Skiort Rosa Khutor wollen und zu der dort für Mittwochabend geplanten Zeremonie mit dem paralympischen Feuer, intensiv kontrolliert. So werden Gäste und wurde auch der Fotograf des Tagesspiegels nach dem Aussteigen aus dem Medienbus intensiv untersucht. Personen müssen durch eine Sicherheitsschleuse und werden genauer gecheckt als bei Flughafenkontrollen. So werden beispielsweise in der zeitaufwendigen Prozedur auch die Handys der Besucher getestet, ob diese funktionstüchtig sind oder womöglich Attrappen. "Ich finde die Kontrollen sehr streng, aber ich finde des gleichzeitig gut, dass alles so genau überprüft wird", sagte ein Paralympics-Beobachter aus Deutschland.

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