Sport : Souverän gestartet

Eisbären deklassieren Düsseldorf im ersten Finale mit 6:1 – heute Spiel zwei

Claus Vetter

Berlin - Es sind oft Kleinigkeiten, die im Eishockey über Sieg und Niederlage entscheiden – wenn sich zwei ebenbürtige Mannschaften gegenüberstehen. Eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters hier, ein Pfostenschuss da, und schnell reden Verlierer von fehlendem „Scheibenglück“. Von Pech im Umgang mit dem Puck konnte am Donnerstag, nach dem ersten Finalspiel um die deutsche Meisterschaft, allerdings beim unterlegenen Team nicht die Rede sein. Das wusste Don Jackson auch. Der Trainer der Düsseldorfer EG war ein wenig bleich im Gesicht, als er sagte: „Das war ein peinliches Spiel meiner Mannschaft.“ Andererseits war es auch eine souveräne Vorstellung, mit der die Eisbären ihre Anhänger im Sportforum verwöhnten. Der 6:1 (1:0, 2:1, 3:0)-Erfolg über die DEG belegte, dass sich am Donnerstag nicht zwei ebenbürtige Teams gegenüberstanden.

Pierre Pagé hatte seinem einstigen Lehrling – vergangene Saison führte Jackson als Kotrainer die Eisbären mit Pagé zum Titel – eine heftige Niederlage beigebracht. Und er schien es zu genießen, zunächst einmal ließ Pagé seinen Düsseldorfer Kollegen warten, als die Trainer ihr Statement abgeben mussten, so dass der schon genervt wirkte. „Wo ist denn Pierre, warum lässt er mich so lange warten?“, fragte Jackson. Sieger Pagé kam und sagte: „Don ist böse, Düsseldorf ist böse, das ist doch normal nach so einem Spiel.“ Aber schließlich heiße die Serie „Best of five“ und am Samstag in Düsseldorf (18.30 Uhr, live auf Premiere) „gibt es dann ein ganz anderes Spiel, in dem Düsseldorf besser sein wird “.

Viel besser müssen sie sein. Denn in Spiel eins der Play-off-Finalserie konnte die DEG nur anfangs mithalten. Wie lange, darüber stritten sie sich beim Sieger. Derrick Walser, der mit Toren zum 1:0 (15. Minute) und 2:0 (27.) den Berliner Erfolg eingeleitet hatte, sagte: „Düsseldorf hat in den ersten sieben Minuten viel Druck gemacht.“ Trainer Pagé hatte dagegen „acht Minuten lang gute Düsseldorfer gesehen“. Micki Dupont, Schütze des Tores zum 3:0, legte noch etwas dazu und sprach „von zehn starken Minuten“ des Gegners, was wiederum von Eisbären-Manager Peter John Lee deutlich überboten wurde: „Düsseldorf war in den ersten 20 Minuten stark.“ Aber nicht stark genug, um die Eisbären in Verlegenheit zu bringen.

Läuferisch und konditionell waren die Eisbären im ersten Spiel klar überlegen. Die Düsseldorfer hatten keine Möglichkeiten, mit ihren nur drei Sturmreihen den mit vier Reihen agierenden Berlinern etwas entgegenzusetzen. Darüber durfte auch Jeff Torys Treffer zum 1:3 nicht hinwegtäuschen. Mit dem 1:6 – Denis Pederson, Kelly Fairchild und Christoph Gawlik erzielten die weiteren Berliner Tore – war die DEG gut bedient. Ihr undisziplinierter Stürmer Peter Ferraro handelte sich sogar noch zwei Zehn-Minuten-Strafen ein und fehlt nun am Samstag.

„Es hat sich ausgezahlt, dass wir in den vergangenen Tagen intensiv trainiert haben“, sagte Pierre Pagé. Die Düsseldorfer hatten dagegen kaum Zeit zur Vorbereitung, weil ihre Halbfinalserie gegen Köln erst am Sonntag endete. Die Berliner dagegen konnten sich nach ihren drei Siegen über Hannover mehr als eine Woche lang auf das Finale vorbereiten. „Ich habe gespürt, dass Düsseldorf müde war“, sagte Torschütze Dupont. „Aber abheben dürfen wir jetzt nicht.“

Sicher werden die Düsseldorfer heute einiges versuchen, um die Eisbären in Verlegenheit zu bringen. „Das kann funktionieren“, sagt Walser. „Ein unglücklicher Abpraller, ein unglückliches Gegentor, und schon läufst du einem Rückstand hinterher.“ Allerdings, findet der Berliner, sollte sein Team „mit einem Lächeln im Gesicht“ ins Spiel gehen – soll wohl heißen: mit dem Bewusstsein, das bessere Team zu sein. Gewinnen die Eisbären heute im Stadion an der Brehmstraße, dann können sie bereits am Ostermontag erneut Deutscher Meister werden. So wie sie im ersten Spiel aufgetreten sind, brauchen sie dazu nicht einmal viel Glück.

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