Sport : Souverän ist anders

-

Michael Rosentritt über den deutschen Teamchef

Jetzt fängt auch noch Rudi Völler an, Fehler zu machen. Als ob nicht schon ein zittriger Carsten Ramelow ausreichte, um für die Europameisterschaft schwarz zu sehen. Der Teamchef war doch der Hoffnungsträger. Allein seine Anwesenheit und seine Vita haben bisher gereicht, die Angelegenheit Nationalmannschaft in guten Händen zu wissen. Und dann schwächelt er, sechs Wochen vor dem ersten EMSpiel gegen die Niederlande. Er hat seine Mannschaftsaufstellung zu spät korrigiert, und er hat die Mannschaft auf das Freundschaftsspiel in Rumänien falsch eingestellt („Das Ergebnis ist zweitrangig“). Er hat die ganze Schuld auf sich genommen. Das war nur auf den ersten Blick souverän. Denn Völler ist damit unterwürfig einem Team gegenüber aufgetreten, das seinen Schutz nicht verdient hatte.

Dieses Verhalten Völlers ist nicht neu. Diese Haltung muss er ablegen, will er sich nicht verschleißen. Deutschland braucht einen souveränen Teamchef, für die EM – und für die Zeit danach. Denn bis zur WM 2006 in Deutschland wird es für den automatisch qualifizierten Gastgeber nur noch Freundschaftsspiele geben.

Rudi Völler sollte jetzt noch einmal in Ruhe analysieren und nachdenken, welchen Spieler er in sein 23-köpfiges EM-Aufgebot beruft und welchen Spieler nicht. Besonders viele Alternativen zu den üblich verdächtigen Spielern hat er nicht. Aber ein Zeichen zu setzen, das kann auch schon helfen. Was würde eigentlich dagegen sprechen, einen verdienten Nationalspieler wie Carsten Ramelow zu Hause zu lassen. Gar nichts, oder?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben