Sport : Sozial schlau

-

Michael Rosentritt erklärt, warum der FC Bayern so großzügig ist

Uli Hoeneß hatte neulich wieder mal das pure Jammern auf seiner Couch. Die Dortmunder Führungsspitze war zu Besuch beim Manager des FC Bayern. Der Borussia geht es derzeit gar nicht gut. Es zerriss Hoeneß fast das Herz. Es sei „eine Katastrophe, wenn Dortmund abschmiert“, sagte er und versprach Hilfe, indem er den maladen Westfalen Spieler zu erhöhten Preisen abkaufen will. Bei so viel Güte treibt es einem die Tränen in die Augen. Aber halt, Taschentücher stecken lassen!

Denn Uli Hoeneß und sein FC Bayern sind gar nicht sozialer als andere Vereine, nur eben sind der Uli Hoeneß und sein FC Bayern viel schlauer sozial. Ihr Credo: Verteile deine Medizin, für die Nebenwirkungen interessiert sich eh kein Mensch. Einige Beispiele: Natürlich haben die Bayern einst den Dresdner Stürmer Zickler zu einem überhöhten Preis eingekauft. Als Aufbauhilfe Ost ging der Deal Anfang der Neunzigerjahre in die Geschichte ein. Und hintendran tourte der Verein einige spielfreie Sommer durch die Neuen Länder. Für die Bayern ging die Rechnung auf: Es gab viele neue Vereinsmitglieder und einen florierenden Fanartikelverkauf. Hoeneß selbst hatte hinterm mobilen Ladentisch mit anpacken müssen, um die Bayern-Trikots an den Mann zu bringen.

Und natürlich haben wir noch Hoeneß vor Augen, wie er auf St. Pauli das braune „Retter“-Trikot des Weltpokalsiegerbesiegers überstreifte. Der FC Bayern verzichte beim Benefiz-Kick gegen den klammen Kiezklub auf die Antrittsgage. Da haben selbst die Nutten aus der Nachbarschaft aufgeheult. Und natürlich legt sich der FC Bayern regelmäßig mit der DFL an, der er in Sachen Fernsehvermarktung Schlafmützigkeit und Unprofessionalität vorwirft. Recht so, denkt sich die Liga, nur so kriegen wir wieder mehr Geld vom Fernsehen. Und das meiste von allen der FC Bayern. Und danke, FC Bayern, für die selbstlose Freistellung des Franz Beckenbauer, der uns die WM 2006 nach Deutschland holte. Die ganze Liga wird davon profitieren, vor allem der FC Bayern, der die Welt im neuen, eigenen Stadion begrüßen wird.

Jetzt also rettet Hoeneß die Konkurrenz aus Dortmund, indem er sie schwächer macht, aber dennoch am Leben lässt. Der FC Bayern braucht den Wettbewerb und dazu Klubs wie die Borussia. Sonst hätte der FC Bayern bald niemanden mehr zum Spielen. Und das wäre doch wirklich zum Heulen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben