Sozialprojekt in Kenia : Müll sammeln und Tore schießen

Ein Sozialprojekt hilft auch Kenias Nationalteam. Die Regeln sind einfach: Wer Fußball spielen will, der muss helfen die Umgebung zu säubern. Jetzt träumen die besten von der Weltmeisterschaft 2010.

Friedhard Teuffel

Angefangen haben sie als Müllsammler in Mathare, einem Slum in Nairobi, eine halbe Million Menschen lebt dort. Wer Fußball spielen wollte in ihrem Projekt, der musste auch die Gegend säubern, so sind die Spielregeln bis heute. Sie haben viel gesammelt und viel gespielt, und die besten Fußballer unter ihnen träumen jetzt sogar von der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Die Nationalmannschaft Kenias trifft an diesem Samstag in Nairobi auf Tunesien, es ist das erste Gruppenspiel der WM-Qualifikation, und dabei sein werden auch Spieler aus Mathare. Als Straßenprojekt hat Fußball in Mathare begonnen, Mysa nennt es sich, es steht für Mathare Youth Sports Association. Dann haben sie in Mathare eigene Jugendligen gegründet und schließlich den Klub Mathare United, der in Kenias Premier League spielt und dort im vergangenen Jahr die Meisterschaft gewonnen hat. „Acht Spieler aus der Startelf der Nationalmannschaft kommen von Mathare United“, erzählt John Ndichu, der zum Organisationsteam von Mysa gehört.

Vielleicht ist Mysa das erfolgreichste Straßenfußballprojekt der Welt. Einen Umweltpreis der Vereinten Nationen hat es gewonnen, zweimal war es für den Friedensnobelpreis nominiert. Vor allem aber hat es mit seinen vielen ehrenamtlichen Helfern mehr als zwei Jahrzehnte durchgehalten in einem Slum voll von Gewalt, Drogen, Prostitution, Aids.

Der kanadische UN-Berater Bob Munro hatte 1987 in Mathare Kinder spielen sehen mit einem aus Plastiktüten zusammengebundenen Fußball, Müll und Scherben lagen auf dem Platz. Munro hatte die Idee, Fußball zu spielen und aufzuräumen, so hätte das ganze Viertel etwas davon. Gewinnen allein reicht nicht in der Straßenfußballliga, für einen Sieg gibt es drei Punkte, fürs Müllsammeln aber sechs. „Wer beim Aufräumen nicht mitmacht, kann sich nicht für die Meisterschaft qualifizieren“, sagt Ndichu, der bei Mysa auch für Programme zur Aids-Prävention verantwortlich ist. Die besten Punktesammler bekommen Stipendien, denn das Schulgeld können sich viele Eltern in Mathare nicht leisten.

20 000 Jugendliche haben insgesamt schon bei Mysa gespielt. Einige von ihnen durften schon zu Turnieren ins Ausland reisen, nach Norwegen oder nach Berlin zur Straßenfußball-WM 2006. Mysa gehört auch zum Netzwerk von Streetfootballworld, das von Berlin aus koordiniert wird. „Das Projekt nimmt eine besondere Stellung ein, weil es schon so lange funktioniert und viele der Jugendlichen selbst Ämter und Verantwortung im Projekt übernehmen“, sagt Jürgen Griesbeck, der Gründer von Streetfootballworld.

Das Nationalteam soll nun genauso erfolgreich werden wie Mysa. Bei der WM hat Kenia noch nie mitgespielt. „Es ist erst einmal eine große Ehre, dass wir jetzt diese Qualifikationsstufe erreicht haben“, sagt Ndichu. Was er vom neuen Nationaltrainer halten soll, das weiß er noch nicht. Es ist seit Februar Antoine Hey, in Berlin geboren und lange Zeit Profi in Deutschland etwa bei Schalke, Tennis Borussia und Fortuna Köln. „Bei seinem Vorgänger war ich zu 100 Prozent sicher, dass wir die WM-Qualifikation schaffen“, sagt Ndichu. Der kam aus dem Mysa-Projekt.

Eine schwere Gruppe hat Kenia erwischt mit Tunesien, Nigeria und Mosambik, nur der erste qualifiziert sich. Mysa dagegen wird auf jeden Fall 2010 in Südafrika mitspielen – bei der Straßenfußball-Weltmeisterschaft sind sie der Titelverteidiger.

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