Spa : Schumachers Hoffnung auf Regen im Wohnzimmer

Michael Schumacher kehrt trotz Strafe gelassen und optimistisch zum Formel-1-Rennen nach Spa zurück. Mit sechs Siegen ist er dort der Rekordgewinner.

Karin Sturm
Im Mittelpunkt. Nach seiner Attacke gegen Barrichello in Ungarn steht Michael Schumacher unter Druck. Als Rekordsieger rechnet er sich in Spa dennoch Chancen aus.
Im Mittelpunkt. Nach seiner Attacke gegen Barrichello in Ungarn steht Michael Schumacher unter Druck. Als Rekordsieger rechnet er...Foto: dpa

Sie hatten ihn in die Mitte genommen. Michael Schumacher wurde auf der offiziellen Pressekonferenz in Spa eingerahmt von zwei seiner jungen Rivalen, die ihn zumindest in dieser Saison schon deutlich überflügelt haben: Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. Zur Zielscheibe der Fragenden wurde aber wieder einmal der Altmeister. Kein Wunder: Nach seinem viel kritisierten Manöver beim Großen Preis von Ungarn gegen Rubens Barrichello kommt er nach Belgien mit der Belastung einer Strafversetzung um zehn Plätze – viele hatten nach der Aktion auf dem Hungaroring ja sogar eine Sperre für mindestens ein Rennen gefordert.

Schumacher selbst scheint das Thema inzwischen ziemlich kaltzulassen – inwiefern die damals schriftlich nachgereichte Entschuldigung auf seinem eigenen Mist gewachsen ist oder ob Mercedes nachgeholfen hat, bleibt weiterhin offen. Jedenfalls schickte Schumacher seinem Kontrahenten am Donnerstag noch eine SMS, „in der er sich entschuldigt hat“, sagt Barrichello. „Ich habe geantwortet: Danke. Kein Problem. Ich wünsche dir ein gutes Wochenende.“

Ob er denn mit seinem ehemaligen Ferrari-Teamkollegen über den Vorfall nicht auch noch mal persönlich reden wolle, wurde Schumacher gefragt: „Ich habe kein Problem, mit Rubens zu sprechen“, sagte er, „aber in erster Linie habe ich ihm auch die SMS geschickt, um ihm hier zu seinem 300. Grand Prix zu gratulieren.“ Ganz nebenbei habe er auch etwas klarstellen wollen: „Ich wollte dort zwar hart gegen ihn kämpfen, aber ich wollte ihn nicht gegen die Mauer drücken. Das war wirklich nicht meine Absicht, wenn er das so empfunden hat, dann tut es mir leid.“

So oder so – dass Schumacher beim Rennen in Spa (Sonntag, 14 Uhr, live bei RTL und Sky) jetzt auch noch mit einer Zehn-Plätze-Strafe leben muss, die die Chancen auf seinem Lieblingskurs weiter verschlechtert, nimmt er zumindest nach außen hin locker: „Spa ist eine ganz wichtige Strecke für mich, an die ich viele fantastische Erinnerungen habe – und auch Optimismus für dieses Wochenende.“ Die zehn Plätze seien für ihn eine besondere Herausforderung. „Ich habe hier schon so viel erlebt – und gerade das angekündigte wechselhafte Wetter mit immer wieder Regen macht vielleicht manches möglich.“ Das weckt natürlich Erinnerungen an 1995, als Schumacher vom 16. Startplatz aus in einem typischen Spa-Chaos-Wetter-Rennen ganz nach vorn fuhr. „Vielleicht können wir diesmal ja wieder was in dieser Richtung schaffen“, sagt er.

Spa – das ist nun mal das Wohnzimmer des Michael Schumacher, so wie einst Wimbledon für Boris Becker. Hier, nur etwas mehr als eine Stunde von seiner Heimat Kerpen entfernt, feierte Schumacher 1991 sein Formel-1-Debüt, ein Jahr später dann auch seinen ersten Sieg – mit sechs Siegen ist er heute der Rekordgewinner in Spa. 2005 fuhr er hier zum letzten Mal, denn in Schumachers letzter Saison vor dem Rücktritt, 2006, fiel der belgische GP aus, weil die Strecke umgebaut wurde; allerdings nicht so grundlegend, dass Schumacher sich Sorgen machen müsste. So hofft er wohl auf ein neues Spa-Wunder – vielleicht eine der wenigen Chancen, die sich in der laufenden Saison noch bieten, nachdem sich Mercedes entschlossen hat, nicht mehr alle Kraft in das aktuelle Auto zu stecken.

Mit einem neuen Auto sollen in der nächsten Saison die Probleme von Schumacher gelöst werden. „Das augenblickliche Auto passt nicht sonderlich zu dem, was er braucht“, sagt Sportchef Norbert Haug. „Aber das wird sich ändern.“

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