Sport : Spät erlöst

Der 1. FC Union schlägt St. Pauli 2:1 und entledigt sich der allerletzten Abstiegssorgen

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Das Stadion darf staunen. Unions Torsten Mattuschka hat soeben mit einem herrlichen Freistoß das 1:0 erzielt. Foto: dpa
Das Stadion darf staunen. Unions Torsten Mattuschka hat soeben mit einem herrlichen Freistoß das 1:0 erzielt. Foto: dpaFoto: ddp

Berlin - Ein kleiner Plausch durfte es noch sein. Seite an Seite schlenderten Holger Stanislawski und Uwe Neuhaus am Samstag ins Stadion An der Alten Försterei und tauschten sich, umgeben von ohrenbetäubendem Lärm, noch ein wenig aus. Ein höflicher Handschlag beendete den Plausch unter Kollegen, die sich kurz darauf am Spielfeldrand nichts mehr zu sagen hatten. Für die kommenden 90 Minuten waren die beiden Fußballtrainer Kontrahenten. Und nur einer hatte auch danach noch ein zufriedenes Gesicht. Es war Uwe Neuhaus. Sein 1. FC Union gewann 2:1 (1:1) gegen Stanislawskis FC St. Pauli – und dürfte sich damit endgültig den Klassenerhalt in der Zweiten Liga gesichert haben. „Ich gehe davon aus, dass es jetzt reicht“, sagte auch der Köpenicker Verteidiger Bernd Rauw.

Etwas überraschend war Unions Sieg aber schon, trennten den Klub von den zweitplatzierten Hamburgern vor der Partie immerhin zehn Tabellenränge. Warum das so war, zeigten die Gäste aus Hamburg schnell. Gleich zu Beginn trugen sie zwei sehenswerte Kombinationen vor und brachten Union „arg in Bedrängnis“, wie Neuhaus sagte. Zuerst schoss Max Kruse nach einem Zuspiel von Charles Takyi am Tor vorbei, dann war es Carsten Rothenbach, der Takyis Vorlage nicht verwerten konnte. St. Pauli probierte viel, den ersten Treffer allerdings erzielten die Gastgeber. Und wie: Mittelfeldspieler Torsten Mattuschka traf per Freistoß aus gut zwanzig Metern zum 1:0 – der Hamburger Keeper Mathias Hain konnte nur staunend hinterherschauen. „Aus dem Nichts heraus haben wir das Tor durch einen wunderschönen Freistoß kassiert“, sagte St. Paulis Trainer Stanislawski. „Das war ärgerlich.“ Tatsächlich lag der Favorit aus Hamburg gegen den zuletzt sieben Mal erfolglos gebliebenen Klub aus Köpenick zurück.

Vielleicht hatte den Gastgebern in der jüngeren Vergangenheit ja einfach nur ein bisschen Inspiration gefehlt. Vor dem Spiel holten sich Mannschaft und Trainerstab diese bei einem Spaziergang durch die Wuhlheide – eine etwas andere, aber offenbar wirkungsvolle Art der Vorbereitung. Die Gäste benötigten anschließend knapp zehn Minuten, um den Rückstand zu verarbeiten. Dafür reichte ein gefühlvoller Schuss aus der Distanz, mit dem Takyi Jan Glinker im Unioner Tor überwand. Zwar zeigten sich die Hamburger auch in den kommenden Minuten kreativer, kurz vor der Halbzeitpause aber ließen sie sich durch einen nicht gegebenen Treffer aus dem Konzept bringen: Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer wollte ein Foul von Marius Ebbers an Glinker erkannt haben. „Da hatten wir etwas Glück“, fand Neuhaus. Seine Unioner nutzen die Verärgerung der Gäste und begannen nun ihrerseits, nach vorne zu drängen – zunächst ohne dafür belohnt zu werden.

Die Stimmung im Stadion beeinträchtigte das jedoch nicht: Eng an eng drängelten sich die 19 000 laut singenden Zuschauer in der Alten Försterei, die zum dritten Mal in dieser Saison ausverkauft war. Und der Großteil des Publikums hatte auch im zweiten Abschnitt einige Male guten Grund zur Freude. Jetzt war es nämlich das Heimteam, das sich die besseren Chancen erarbeitete. Allein Björn Brunnemann, für den glücklosen Chinedu Ede eingewechselt, hätte mit zwei Kopfbällen die erneute Führung erzielen können. Er vergab jedoch ebenso wie Dominic Peitz, dessen Versuch Hain parierte. „Ich hatte das Gefühl, dass Union den Sieg mehr wollte“, sagte St. Paulis Trainer Stanislawski. „Wir hatten nicht mehr verdient, zu gewinnen.“ Union schon.

Dem eingewechselten Karim Benyamina blieb es schließlich überlassen, den Berliner Anhang kurz vor Schluss zu erlösen, indem er ins rechte Eck zum 2:1 einschoss. Und während Holger Stanislawski stoisch auf seiner Bank sitzen blieb, sprang Uwe Neuhaus stellvertretend für den gesamten 1. FC Union jubilierend auf.

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