Sport : Späte Gemeinschaft

Mit neuem Teamgeist und Aberglauben will Alba Berlin heute in das Basketball-Finale einziehen

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Als Szymon Szewczyk beim Hinterausgang des Bamberger Forums nach zehn Metern um eine Ecke bog, blieb er erstaunt stehen: 600 BasketballFans aus Berlin versperrten ihm den Weg und riefen seinen Namen. Der Centerspieler von Alba Berlin holte sein Handy hervor und machte ein Foto von dem fröhlichen Empfang. Szewczyk hatte nicht gut gespielt, doch das war den Fans egal. Sie feierten jeden. Sogar Albas Physiotherapeut Ramon Garcia und Mannschaftsbetreuer Eicke Marx durften ihre Namen aus den Kehlen der Fans hören. Danach verschwanden die Spieler in der Masse der jubelnden Fans. Alles war eins.

Am Sonntag hat Alba Berlin zu einer Gemeinschaft zusammengefunden. „Wir sind als Team zusammengekommen“, sagte John Best, der 23 Punkte in der zweiten Halbzeit zum wichtigen Auswärtssieg (90:84) bei GHP Bamberg beigetragen hatte. „In den ersten beiden Spielen hatte Bamberg diesen Teamgeist, jetzt haben wir ihn“, sagte der Power Forward. 2:2 steht es nun in der dramatischen Halbfinalserie zwischen Berlin und Bamberg. Zweimal trennten Alba nur wenige Minuten vom vorzeitigen Saisonende, doch die Berliner kämpften sich zurück. Nun fällt erst heute im fünften Spiel in der Max-Schmeling-Halle die Entscheidung, ob Berlin oder Bamberg ins Finale einziehen darf. „Es ist eine tolle Serie“, sagt Best, „das ist gut für die Bundesliga und für Basketball in Deutschland.“

Der neue Teamgeist der Berliner zeigt sich auch im Kleinen. Vor dem dritten Spiel hat die Mannschaft darauf bestanden, in gelben Trikots anzutreten. In Blau hatte sie zuvor jeweils verloren. Prompt siegte Alba, doch im vierten Spiel durfte das Team nicht erneut Gelb anziehen. Weil Bamberg in Weiß spielte. Teambetreuer Marx hatte die rettende Idee und besorgte gelbe Schweißbänder, welche die meisten Spieler trugen. DeJuan Collins gehörte zu jenen, die darauf verzichteten. „Ich glaube nicht an Farben, sondern an meine Teamkollegen.“

Doch Alba musste erst 0:2 zurückliegen, ehe die Spieler bereit waren, an ihre Kollegen zu glauben und Egoismen zurückzustellen. „Mit dem Rücken zur Wand liefern wir unsere besten Spiele ab“, sagt Rödl. Das Spiel am Sonntag sei etwas Besonderes gewesen. „Es hat sich etwas bewegt, wir spielen viel geschlossener.“ Warum aber brauchen Albas Spieler erst das Aus vor Augen, um Teamgeist zu entwickeln? „Das ist das Rätsel dieser Saison“, sagt Rödl.

Die Frage ist auch, ob die Mannschaft diesen späten Gemeinschaftssinn auch im heutigen Spiel bewahren kann. Bisher war die Saison gekennzeichnet von ständigen Stimmungsumschwüngen. „Die Schwankungen waren extrem“, sagt Rödl, „dieses Team hat den Test noch nicht bestanden.“

Doch inzwischen bekommt es Hilfe von außen. Begeistert äußerten sich die Spieler in Bamberg über die Unterstützung der mitgereisten Fans. Heute ist die Max-Schmeling-Halle mit 9000 Zuschauern ausverkauft. Einige Fans trugen in Bamberg T-Shirts, auf denen sie nach Spielschluss den aktuellen Stand der Serie eingetragen hatten: 1:2 und 2:2 haben sie abgehakt. Ein Haken fehlt noch.

Heute im Fernsehen:

Alba Berlin – GHP Bamberg

live auf TV Berlin und Konferenzschaltung ab 20.45 Uhr im DSF

SPIELBEGINN 20.15 Uhr

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