Sport : Späte Genugtuung für einen Stürmer

Mit dem Tor gegen Schalke widerlegt Prica seinen Trainer

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Rade Prica hatte die Dienstreise ins Ruhrgebiet voller Tatendrang angetreten. „Ich denke, dass ich in der riesigen Arena mit ganz anderem Selbstbewusstsein auflaufen werde“, sagte der Schwede vor dem Spiel in Schalke. Mit seinem Treffer gegen den VfB Stuttgart hatte sich der teuerste Zugang des FC Hansa Rostock von einer psychischen Last befreit. Dennoch waren seine Dienste beim Anpfiff nicht erwünscht. Prica ist von Beruf Stürmer, und Stürmer kamen in der Taktik des Rostocker Trainers Armin Veh zunächst nicht vor. „Wir wollten auf Konter spielen“, sagte Veh nach dem Spiel gegen Schalke. Wie so etwas ohne einen Stürmer gelingen soll, blieb offen; die fragwürdige Strategie hatte sich nach fünf Minuten erledigt, als Ebbe Sand die Heimelf in Führung schoss. Veh und sein Team sollten dem Schalker Kapitän dankbar sein, dass er sie so früh von ihrem Irrweg abgebracht hatte. Und Rade Prica am Ende noch das Ausgleichstor zum 2:2 schießen durfte.

Die Rostocker ließen zwar noch ein zweites Gegentor zu und brauchten 45 Minuten, um zu erkennen, dass sie mit bloßem Spielverhindern nichts erreichen würden. Aber die Lehrzeit hatte sich gelohnt. Was so miserabel begonnen hatte, löste sich in Wohlgefallen auf. „Wir haben die beste zweite Halbzeit in dieser Saison gespielt“, sagte Mittelfeldspieler Thomas Meggle. Als hätte es den untauglichen Versuch, auf ein null zu null hinzuarbeiten, nie gegeben, beherrschten die Rostocker ihren Gegner nach der Pause so, wie sie zuvor selbst beherrscht worden waren. Mit Stürmern und Toren.

Nachdem die Rostocker sich bereit erklärt hatten, am Spiel teilzunehmen, leisteten die Schalker ihnen noch Hilfe zur Selbsthilfe, durch Flüchtigkeitsfehler und durch eine Auswechslung. Nach gut einer Stunde schickte Trainer Frank Neubarth für Regisseur Andreas Möller den defensiven Mittelfeldspieler Sven Kmetsch auf den Platz. Er hätte auch ein Schild hochhalten können mit der Anweisung: bitte den knappen Vorsprung halten! Die zweite Hälfte wurde das spiegelverkehrte Abbild der ersten, mit einem frühen und einem späten Tor für Hansa. Das späte gelang Rade Prica. So kam der für Rydlewicz (Muskelfaserriss) eingewechselte Schwede doch noch auf seine Kosten. Am Ende hatte Hansa sogar drei Stürmer auf dem Feld. Und niemand konnte sagen, drei seien einer zu viel.

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