Sport : Später Skandal

Benedikt Voigt

Der Italiener steht gerne etwas später vor dem Ticketschalter. Das ließ sich bei den Olympischen Winterspielen in Turin gut beobachten, wo viele Karten erst während oder unmittelbar vor der Veranstaltung verkauft worden sind. Dieses Verhalten hat seine Vorteile, weil es manche Unannehmlichkeit vermeidet. Warum frühzeitig ein biglietto kaufen, wenn selbst am Veranstaltungstag noch vieles passieren kann? Der Hauptdarsteller kann krank sein, das Wetter schlecht, der Ferrari kaputt.

Den Nachteil dieser Methode hat nun ein Reporter der italienischen Zeitung „La Gazzetta dello Sport“ erleben müssen. Bis zweieinhalb Monate vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat er gewartet, ehe er versuchte, eine Eintrittskarte für ein Spiel der italienischen Nationalmannschaft zu erwerben. Es ist ihm nicht gelungen. „Skandal“ titelte seine Zeitung, zumal der Reporter auch keines der 9763 Tickets aus dem italienischen Kontingent ergattern konnte. Die Nicht-Italiener aber, die ebenfalls keine Karten bekommen haben, dürften diese Nachricht als tröstend empfinden. Sie wissen nun, dass es wirklich kaum Tickets gibt. Ob man nun früher oder später bestellt.

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