Sport : Später Start

Jan Ullrich steigt erst zur Tour de Romandie Ende April in die Saison ein

Helmut Schümann

Berlin - Das Knie ist wichtig beim Radfahren. Und wenn das Knie zwickt, kann selbst Jan Ullrich nicht gut Radfahren. Dann steigt er ab. Erst einmal. Jan Ullrich, 32, aussichtsreicher Kandidat auf den Sieg bei der in drei Monaten startenden Tour de France, hat seinen Wettkampfeinstieg in dieser Saison verschoben und seine Teilnahme an der Sarthe-Rundfahrt (4. bis 7. April) abgesagt. Nächster Termin fürs Tour-Training unter Echtzeitbedingungen: Die Tour de Romandie vom 25. bis 30. April.

Ein herber Rückschlag, nachdem Ullrich voller Sturm und Drang und von Lance Armstrong befreit zu Beginn des Jahres ins Vorbereitungstraining gespurtet war? Ach, eher nicht, „ein leichtes Zwicken im Knie“, hat er nach eigenen Worten Anfang März verspürt, jetzt, Ende März, wieder. Am großen Ziel muss deswegen nicht gerüttelt werden.

Eine Reizung, sie wird ausgeheilt, dann steigert er das derzeit reduzierte Tempo wieder auf Wettkampfbereitschaft. Es herrscht also Gelassenheit im T-Mobile Team, auch wenn Ullrich einen Anflug von Enttäuschung zu erkennen gab. „Ich hatte mich auf meinen Wettkampfeinstieg sehr gefreut“, sagte er.

Es ist ein altes Thema, dass ihm Kritiker vorwerfen, er habe zu wenig Wettkampfhärte. All die Jahre, in denen der Amerikaner Lance Armstrong die Tour beherrschte, wurde dieser Vorwurf erhoben. Vielleicht, weil einfach nicht sein kann, dass einer besser ist als Jan Ullrich.

Und bei all den Auguren und Pessimisten, die noch jedes Gramm Körperfett auf die Tour umrechnen, könnte man die Absage der Sarthe-Rundfahrt auch als Vorsichtsmaßnahme werten. Ullrich trainiert, und wenn es zwickt, hört er auf und trainiert anderntags wieder. Bei einer Rundfahrt ist das schwierig, da ist Schluss, wenn’s zwickt. Und dann lauten die großen Schlagzeilen: „Ullrich bei Sarthe-Rundfahrt ausgeschieden.“ Dem Reflex der vergangenen Jahre folgend, kämen anschließend gleich Zweifel auf, ob Ullrich überhaupt fähig sei, die Tour zu fahren, ob er nicht doch noch übergewichtig ist und so weiter. Es wäre alles wie immer, nur ohne Lance Armstrong. Es soll aber alles anders werden in diesem Jahr. Vorbereitung. Training. Und das Ende in Paris.

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