Sport : Später Vollzug in Düsseldorf

Der Absteiger entlässt Trainer Norbert Meier.

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Abflug beim Absteiger. Norbert Meier ist nicht mehr Trainer in Düsseldorf. Foto: dpa
Abflug beim Absteiger. Norbert Meier ist nicht mehr Trainer in Düsseldorf. Foto: dpaFoto: dpa

Düsseldorf- Die Zettel mit dem offiziellen Statement zur Entlassung von Trainer Norbert Meier konnte selbst Wolf Werner irgendwann nicht mehr sehen. „Die können Sie alle mitnehmen“, rief der Manager von Bundesliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf einem Journalisten zu – und fügte hinzu: „Wir kennen den Inhalt schon auswendig.“ Dieser Scherz immerhin war dem 71-Jährigen gelungen. Weniger lustig war, dass die Düsseldorfer am Montag zu einer Pressekonferenz baten – um dort dann nahezu alle Fragen mit dem dürren Hinweis auf den Inhalt der Presseerklärung zu beantworten.

Dieses seltsame Informationsverständnis passte zu dem so sagenhaften wie peinlichen Absturz der Fortuna in der Bundesliga-Rückrunde. Ein wenig unangenehm war es Peter Frymuth, der besonders häufig auf sein niedergeschriebenes Wort verwies, zwar. Wesentlich auskunftsfreudiger wurde der Klub-Präsident trotzdem nicht, sondern er wiederholte lieber, wie „unerträglich“ es für ihn gewesen sei, dass ein gewisser Mister X – womöglich sogar der Führungsetage des Klubs angehörend – am späten Donnerstagabend der Vorwoche „bewusst die Unwahrheit verbreitet“ habe. Mit der heimlichen Bestätigung von Norbert Meiers angeblich beschlossener Entlassung.

Die nahm der Verein dann gestern vor – nach einem Gespräch, an dem auch der geschasste Trainer teilnahm. Am 14. Juni startet Fortuna in die Vorbereitung auf die kommende Spielzeit in der Zweiten Liga, spätestens bis dahin sollte ein neuer Übungsleiter gefunden sein. Dass der stark vom Düsseldorf-Rot-Weiß geprägte Mike Büskens ein genehmer Kandidat für den Absteiger ist, wollte Manager Werner dabei gar nicht bestreiten. „Das ist ein Ex-Fortune“, sagte der Mann, der wegen des für die Bundesliga als deutlich zu schwach befundenen Fortuna-Kaders selbst in die Kritik geraten war.

Und weil auch der 1. FC Köln verstärkt an den Diensten des früheren Trainers von Greuther Fürth interessiert ist, führte der Manager gleich ein paar Vorzüge am Arbeitsplatz Düsseldorf an. „Wir haben einen Kader von 22 Spielern, die uns erhalten bleiben. Und der Trainer, der kommt, weiß, dass diese Spieler ein Jahr Bundesligaerfahrung mitbringen“, sagte Werner und wollte das als einen Grund verstanden wissen, warum sich ein Fußballlehrer aktuell für Fortuna Düsseldorf entscheiden sollte. Konkurrent Köln hingegen kann nur auf ein rustikales und am Ende zudem enttäuschendes Jahr in der Zweiten Liga verweisen – die der Klub trotz seiner rund 30 Millionen Euro Schulden in der nächsten Saison nun auf Teufel komm’ raus verlasen will. Durch den oberen Ausgang.

Den Düsseldorfern dagegen steckt eine miserable Rückrunde in den Knochen, aber: Der Klub ist schuldenfrei. Darüber hinaus führte Wolf Werner vergleichsweise bescheidene Ansprüche der Düsseldorfer an. „Ich werde sicher nicht mit einem Trainer sprechen und ihm sagen, du musst im nächsten Jahr mindestens Dritter werden.“ Bei Nachbar und Rivale Köln liegen die Dinge anders. Und auf die Treffen mit den Domstädtern freut sich Düsseldorfs Manager – mit oder ohne Mike Büskens – schon jetzt. „Noch“ sagt Werner, „habe ich keinen Draht zu den Kölnern. Der muss erst zum Glühen gebracht werden.“ Andreas Morbach

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